Zusätze in der Hundefütterung

 

Du beginnst Deinen Hund zu BARFen oder für ihn zu kochen, alles läuft wunderbar. Dein Hund verträgt und mag sein Futter, trotzdem beginnt früher oder später eine Frage in Deinem Kopf zu kreisen:

"Wird mein Hund denn dadurch auch ausreichend mit Nährstoffen versorgt?"

Eine berechtigte Frage!

 

Immerhin kannst Du den Nährstoffbedarf Deines Hundes nicht einfach mit Deinem eigenen vergleichen.

„Intuitiv füttern“ ist da nicht drin und kann ganz schön in die Hose gehen.

Das Argument „Für mich rechne ich ja auch nix aus und lebe trotzdem noch!“ zieht also an dieser Stelle nicht.

 

Ob Dein Hund nun einen oder mehrere Nährstoffzusätze benötigt und in welcher Menge, hängt vor allem von seinem Alter, seinem Gesundheitszustand, Gewicht und natürlich auch von dem Futter ab, welches Du ihm fütterst.

 

Der Großteil an Mineralstoffen und Vitaminen kann tatsächlich schon allein über Bestandteile wie Fleisch, Innereien, Gemüse, Obst und Kohlenhydrate in ausreichender Menge abgedeckt werden.

 

In der Praxis zeigen sich aber immer wieder Schwachstellen bei der Nährstoffversorgung mit:

  • Calcium
  • Magnesium
  • Eisen
  • Zink
  • Kupfer
  • Mangan
  • Jod
  • Vitamin A, D und E

Diese können zum Teil sowohl einzeln, als auch mit geeigneten Multinährstoffpräparaten zugesetzt werden.

Die Ergänzung von Calcium, Jod und die fettlöslichen Vitamine A, D und E nehme ich mir in diesem Artikel ganz gezielt vor.

 

Nährstoffliefernde Einzelzusätze

Eine Reihe von Nährstoffen kannst Du schon ganz einfach mit verschiedenen Einzelzusätzen ergänzen.

Calcium

Fütterst Du Deinem Hund keine Knochen, solltest Du ihm Calcium unbedingt durch andere Quellen zur Verfügung stellen!

Dazu zählen z.B. Knochenmehl, Eierschalenmehl (=Calciumcarbonat), Calciumcitrat oder Algenkalk.

Milchprodukte wie Joghurt, Quark oder Hüttenkäse eignen sich nicht als Calciumersatz.

 

Ein 15 kg schwerer Hund hat einen täglichen Calciumbedarf von etwa 1 g, das ist in etwas so viel, wie der Tagesbedarf eines Erwachsenen.

 

Joghurt, Magerquark und Hüttenkäse enthalten pro 100 g grad mal mickrige 80 - 130 mg Calcium, während z.B. Eierschalenpulver ganze 37 g Calcium pro 100 g liefert. Der Unterschied ist also doch recht deutlich. 😊

 

Weiterhin solltest Du die Augen offen halten beim Kauf von Knochenmehl.

 

Die verschiedenen Mehle unterscheiden sich zum Teil stark im Calcium- und Phosphorgehalt!

 

Fleischknochenmehle enthalten in der Regel einen höheren Anteil an Phosphor als reine Knochenmehle. Wenige (Fleisch-)Knochenmehle enthalten sogar mehr Phosphor als Calcium und sind damit für die meisten Rationen absolut nutzlos.

 

Deshalb: immer einen kurzen Blick auf den Calcium- und Phosphorgehalt werfen!

 

Zu den meisten Rationen passen Knochenmehle mit einem Calciumgehalt zwischen 24 – 26% und einem Phosphorgehalt von 7 - 10% (also etwa dreimal so viel Calcium wie Phosphor).

 

Jod

Damit die Schilddrüse ihrem „normalen Tagesgeschäft“ nachgehen kann, benötigt sie Jod.

 

Bekommt sie nicht ausreichend Jod, kann sie nicht richtig funktionieren und es kann zu verschiedenen Symptomen wie Leistungsschwäche, Schläfrigkeit und Haarverlust kommen.

 

Der Jodbedarf lässt sich am einfachsten über Seealgenmehl decken. Ein 15 kg schwerer Hund hat einen täglichen Jodbedarf von etwa 225 Mikrogramm, was etwa 0,5 g eines durchschnittlichen Seealgenmehls pro Tag entspricht.

Alternativ ist auch die Fütterung von jodhaltigen Fischen wie Kabeljau oder Köhler Seelachs möglich, diese enthalten etwa 200 Mikrogramm Jod pro 100g.

 

Aber Achtung: auch bei Jod gilt „viel hilft nicht viel“!

 

Da die Schilddrüse Einfluss auf viele Funktionen des Körpers nimmt, sollte eine Überversorgung genauso vermieden werden wie eine Unterversorgung.

 

Auch als Laie solltest Du die Jodzufuhr für Deinen Hund also möglichst berechnen.

 

Der Jod-Bedarf eines ausgewachsenen Hundes beträgt etwa 15 Mikrogramm / kg Körpergewicht am Tag.

Seealgenmehl hat je nach Hersteller und Charge einen Jodgehalt von ca. 50.000 – 90.000 Mikrogramm pro 100g.

 

Vitamin A & D

Fütterst Du keine Leber und keine fetten Fischsorten wie Makrele, Lachs oder Thunfisch, solltest Du Dich auch um eine Ergänzung von Vitamin A & D kümmern.

 

Die beiden fettlöslichen Vitamine kommen zwar auch im Eigelb von Hühnereiern vor, allerdings macht es hier dann die Menge. Daher ist diese Vitaminquelle für einige Hunde nur bedingt geeignet.

 

Der 15kg schwere Beispiel-Hund müsste nämlich täglich das Eigelb von fast 3 Eiern verspeisen, was wiederum aber auch 200 kcal extra bedeuten würde. Das ist so viel, als würdest Du jeden Tag ein großes Stück Donauwelle essen – wie man da nach einem viertel Jahr aussieht, können wir uns beide vorstellen, oder? 😉

 

Eine einfache und sparsam zu dosierende Alternative ist z.B. der Dorschlebertran.

 

Der ist eine richtige Vitaminbombe und liefert in kleinsten Mengen beide notwendigen Nährstoffe auf einmal.

 

Wenn alle Stricke reißen, ist Dein Hund auch in der Lage aus dem Betacarotin aus Pflanzen Vitamin A „herzustellen“. Aus 1 mg Betacarotin können dann 500 IE Vitamin A gebildet werden.

 

Vitamin E

Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidans, das vor allem in pflanzlichen Ölen vorkommt.

 

Ist Dein Hund schon älter oder leidet er an einer chronischen Erkrankung oder Allergie, solltest Du besonderes Augenmerk auf die Versorgung mit Vitamin E legen.

 

Eine sichere Versorgung kannst Du in den meisten Fällen mit dem regelmäßigen Verfüttern von Keimölen wie z.B. Weizenkeimöl einfach und sicher gewährleisten.

 

Multinährstoffzusätze

Multinährstoff-Zusätze haben in der Regel den Vorteil, dass kein weiterer Zusatz mehr notwendig ist, um die noch übrigen Nährstofflücken auf dem Speiseplan Deines Hundes zu füllen.

 

Mit dieser Art von Zusatz kann man also entweder einen Volltreffer in puncto optimaler Nährstoffversorgung landen, oder komplett ins Klo greifen.

 

Zweiteres kommt leider häufiger vor, denn nicht jede Futterergänzung hält auch was sie verspricht.

 

Warum?

 

Weil die meisten im Zoohandel erhältlichen Zusatzmischungen auf die (eigentlich nicht notwendige) Ergänzung von Alleinfuttermitteln ausgelegt sind.

Nur in Zeiten eines Nährstoffmehrbedarfs (Trächtigkeit und Säugephase der Hündin, fortgeschrittenes Alter bei Hundesenioren oder bestimmte chronische Erkrankungen) können einige Zusätze Sinn machen.

 

Ansonsten führen sie eher dazu, dass der Hund besonders „wertvollen/ teuren“ Kot absetzt.

 

Du solltest also überlegen: welche Nährstoffe deckt die bisherige Fütterung schon ab und was braucht mein Hund denn überhaupt noch?

 

BARFst Du Deinen Hund z.B. und fütterst ihm ausreichend Knochen, ist ein Multinährstoff-Zusatz, der Calcium enthält, nicht notwendig und kann sogar zu Problemen führen.

 

Nimm bitte auch Abstand von Produkten, zu denen keine Analysedaten vorliegen. Das kommt z.B. relativ oft bei Seealgenmehlen vor.

 

Wie oben schon beschrieben, ist bei Jod aber eine relativ genaue Dosierung wichtig. Schwierig wenn das eine Produkt 49mg Jod 100g enthält, ein anderes 30mg Jod pro 100g und beim dritten Produkt gar keine Analysedaten angegeben sind.

 

Und auch wenn wir alles für unsere Hunde geben würden: einen hohen Preis für ein „minderwertigeres“ Produkt möchte ich auch nicht zahlen.

 

Ist Dein Hund allergisch oder hat Probleme bestimmte Futterbestandteile zu vertragen, hüte Dich auch vor Zusätzen mit zu viel Schnickschnack und Kräutern. Weniger ist vor allem bei Allergikern oder sensiblen Hunden oft mehr.

 

Bevor Du jetzt beginnst Dich völlig verrückt zu machen...

... hier noch ein paar weitere Hinweise zur Nährstoffversorgung:

  • Es müssen nicht jeden Tag alle Nährstoffe in exakter Menge zugeführt werden. Die Nährstoffversorgung sollte sich nur über einen gewissen Zeitraum die Waage halten und ausgeglichen sein.

  • Organe wie die Leber können bestimmte Nährstoffe bis zu einem gewissen Grad speichern und für jeden Nährstoff hat der Körper Deines (gesunden) Hundes mindestens eine kleine Reserve angelegt. Es ist also durchaus möglich für einen bestimmten Zeitraum auf Futterzusätze zu verzichten, ohne das dabei ein Nachteil für Deinen Hund entsteht. Dieser Zeitraum beträgt in der Regel 6-8 Wochen.

  • Viel hilft nicht viel. Füttere nicht einfach ungeprüft irgendwelche Zusätze in der Hoffnung, dass es „schon irgendwie passt“. Auch ein Überschuss an bestimmten Nährstoffen ist auf Dauer nicht gesund und kann zu Erkrankungen führen.

  • Wenn Du Unterstützung brauchst: hole Dir Hilfe! Auch wenn Du beim Thema Hundeernährung schon recht gut auf zack bist, ist es keine Schande sich von einem Experten unterstützen zu lassen. Ich repariere meine Heizung auch nicht selbst...