Trinkt mein Hund genug Wasser?

 

Jedes Jahr, in den ersten warmen Tagen im Frühling, kommt bei vielen die Frage auf: trinkt mein Hund überhaupt ausreichend?

Einige Hundebesitzer sind geradezu panisch weil ihnen zum ersten Mal richtig bewusst wird, dass deren Hund über den Tag kaum etwas trinkt. Für uns Menschen gilt die Empfehlung 1,5 - 2 Liter am Tag, bei körperlicher Anstrengung oder großer Hitze sogar noch mehr! Müsste ein großer Hund dann nicht auch z.B. mindestens die Hälfte von dem trinken, was für uns empfohlen wird?

 

Mensch & Hund - zwei verschiedene Kühlsysteme

Steigt die Umgebungstemperatur an, muss sich jeder Körper überlegen welche Maßnahmen er ergreift um seine optimale Körpertemperatur zu halten.


Melden unsere etwa 30.000 Temperatursensoren, dass die Körpertemperatur steigt, beginnen die Schweißdrüsen mehr Schweiß zu produzieren. Dieser verdunstet wiederum auf unserer Haut und kühlt so unseren Körper.

Auch die Haut Deines Hundes besitzt Schweißdrüsen, allerdings erfüllt der Großteil dieser ganz andere Funktionen und kann somit den Hund nicht kühlen. Auch das Schwitzen der Pfoten kühlt den Hund nicht wirklich ab, dafür ist die Ballenfläche einfach viel zu klein. Zur Regulation der Körpertemperatur nutzt Dein Hund deshalb vorwiegend das hecheln. Auch dabei entsteht wieder (wie bei uns Menschen) eine Verdunstungskälte, die den Körper kühlt.

 

Durch die Verdunstung geht auch immer Flüssigkeit verloren. Diese muss mit dem Futter oder der Aufnahme von Wasser wieder aufgefüllt werden.

 

Wieviel sollte mein Hund trinken?

Wieviel Feuchtigkeit Dein Hund über den Tag zu sich nehmen sollte, hängt vor allem von der Umgebungstemperatur, der Luftfeuchte, dem Fell und seiner isolierenden Wirkung auf den Körper, der körperlichen Anstrengung und auch seinem Futter ab.


Nassfutter, BARF- und Kochmahlzeiten enthalten schon eine ganze Menge Feuchtigkeit - in der Regel etwa 80%. Die nimmt Dein Hund schon ganz automatisch mit dem Futter auf.


Trockenfutter enthält hingegen nur etwa 8 - 12% Feuchte - hier muss, im Gegensatz zum Nassfutter, mehr Wasser über den Tag aufgenommen werden.

Hier ein paar konkretere Zahlen:

Aktivität Umgebungstemp. Fütterung zusätzlicher Bedarf an Flüssigkeit

normale körperliche Aktivität

(1-2 Stunden / Tag)

< 20°C Trockenfutter

 40 - 50 ml/kg

normale körperliche Aktivität

(1-2 Stunden / Tag)

< 20°C Nassfutter

5 - 10 ml/kg

normale körperliche Aktivität

(1-2 Stunden / Tag)

> 20°C Trockenfutter

50 - 100 ml/kg

normale körperliche Aktivität

(1-2 Stunden / Tag)

> 20°C Nassfutter

20 - 50 ml/kg

erhöhte körperliche Aktivität

(> 2 Stunden am Tag)

< 20°C Trockenfutter

bis 100 ml/kg

erhöhter körperliche Aktivität

(> 2 Stunden am Tag)

< 20°C Nassfutter

bis 50 ml/kg

erhöhter körperliche Aktivität

(> 2 Stunden am Tag)

> 20°C Trockenfutter

bis 150 ml/kg

erhöhter körperliche Aktivität

(> 2 Stunden am Tag)

> 20°C Nassfutter

bis 100 ml/kg

Quelle: "Ernährung des Hundes", 8. Auflage, J. Zentek

Ein Beispiel:
Ein 20kg schwerer Familienhund der geBARFt wird, benötigt je nach Wetterlage zusätzlich zu der Feuchtigkeit in seinem Futter noch 100ml bis 1 Liter Wasser am Tag. Auf einer längeren Wanderung oder wenn der Hund z.B. an einem warmen Tag sportlich geführt wird (Agility, Longieren,...) können es aber auch bis zu 2 Liter sein.

 

Trinkmenge feststellen

Um festzustellen ob Dein Hund über den Tag wirklich zu wenig trinkt, solltest Du die Wasseraufnahme über 3-5 Tage in einem Zeitraum von jeweils 24 Stunden tatsächlich mal messen. Das ist auch gar nicht so schwer: Napf füllen, wiegen, Gewicht notieren. 24 Stunden später dann nochmal den Napf wiegen und die Differenz zu dem Tag davor bilden.

Hier als Beispiel so ein "Trinkprotokoll":

Zum Auswerten der Messergebnisse kannst Du nun die durchschnittlich ermittelte Trinkmenge mit den Zahlen aus der obigen Tabelle vergleichen.

So kannst Du Deinen Hund zum Trinken animieren

Hast Du festgestellt dass Dein Hund tatsächlich zu wenig trinkt, obwohl er freien Zugang zu sauberem, frischen Wasser hat, solltest Du versuchen die fehlende Feuchtigkeit anderweitig zu ersetzen.

Eine sehr einfache Maßnahme wäre es, den Hund von Trockenfutter auf Nassfutter umzustellen. Fütterst Du bereits Nassfutter, kochst oder BARfst, kannst Du zusätzlich noch etwas Wasser dazugeben und das Futter suppig anbieten.
Experimentiere auch mal mit dem Standort des Wassernapfes. Viele Hunde möchten in Ruhe trinken können, vielleicht steht der Wassernapf momentan zu zentral und ungeschützt?
Animiere Deinen Hund zu Wasserspielen wie "Beeren aus dem Wassernapf fischen". Das macht nicht nur Spaß und ist eine witzige Beschäftigung, die Beeren geben dem Wasser auch zusätzlich einen besonderen, leckeren Geschmack.
Möchtest Du mit weiteren Geschmäckern wie Hühnerbrühe, Gemüse- oder Fruchtsaft das Wasser Deines Hundes aufpeppen, achte darauf dass die ausgewählten Lebensmittel salz- und zuckerarm sind!

 

Wann zum Tierarzt?

Unbedingt beim Tierarzt vorstellen solltest Du Deinen Hund wenn er Anzeichen von Austrocknung (Dehydration) zeigt!

Dazu gehören:

ab Auftrocknungsgrad von 5-6%:

  • Abnahme der Hautelastizität bis zum Bestehen bleiben von Hautfalten
  • Austrocknung der Schleimhäute
  • Einsinken der Aufäpfel
  • Anstieg der kapillaren Wiederauffüllungszeit (beim Druck aufs Zahnfleisch benötigt dieses länger als 3 Sekunden um wieder rosa zu werden)

ab Auftrocknungsgrad von 8-10%:

  • Herzrasen (Tachykardie)
  • kalte Beine und Pfoten
  • kalte Körperoberfläche
  • Muskelschwäche

Im kleinen Blutbild lässt sich die Austrocknung durch einen Anstieg des Hämatokrits feststellen. Umso zähflüssiger das Blut (= viele Blutzellen, wenig flüssige Bestandteile), desto höher der Hämatokrit.

Besonders gefährdet und empfindlich in Bezug auf Flüssigkeitsverluste sind Hundesenioren, Welpen und kranke Hunde.