Pankreatitis beim Hund

Etwa jeder zehnte Hund bekommt einmal im Laufe seines Lebens Probleme mit der

Bauchspeicheldrüse - Erkrankungen dieses Organs sind demnach unter Hunden keine Seltenheit.

 

In diesem Artikel soll es um die akute und die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) beim Hund gehen.

Wir sehen uns an

  • wie sie entsteht,
  • wie Du sie erkennen kannst,
  • wie sie behandelt wird und
  • worauf vor allem bei der Fütterung nach einer akuten Entzündung geachtet werden sollte, um eine erneute Entzündung möglichst zu vermeiden.

Was ist die Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse hat zwei zentrale Aufgaben:

 

1. Der sogenannte endokrine Teil besteht aus Hormondrüsengewebe, welches unter anderem die Hormone Insulin und Glucagon produziert, wodurch der Blutzuckerspiegel reguliert wird.

 

2. Der Job des exokrinen Teils ist es vor allem verschiedene Verdauungsenzyme zu produzieren. Diese helfen Deinem Hund sein Futter "aufzuspalten", um es richtig verdauen und überhaupt für sich nutzen zu können.

 

Die anfangs noch inaktiven Enzyme gelangen durch zwei kleine Gänge in den Dünndarm Deines Hundes. Dort werden sie aktiviert und beginnen ihre Arbeit.

Zu diesen Enzymen gehören unter anderem:

  • Peptidasen (zur Aufspaltung von Eiweißen)
  • Amylasen (zur Aufspaltung von Kohlenhydraten)
  • Lipasen (zur Aufspaltung von Fetten)

Die Menge der abgegebenen Enzyme passt sich damit der Futterzusammensetzung an. So werden beispielsweise bei sehr eiweißreicher Fütterung mehr Peptidasen abgegeben und bei sehr kohlenhydratreicher Fütterung mehr Amylasen.

Was ist eine pankreatitis?

Bei einer Pankreatitis handelt es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

 

Infolge der Entzündung gibt die Bauchspeicheldrüse mehr Enzyme ab, die zusätzlich länger als gewöhnlich in den Pankreaszellen verbleiben. Fatalerweise werden sie noch in der Bauchspeicheldrüse aktiviert und setzen damit eine Selbstverdauung in Gang. Die Entzündungszellen wandern daraufhin in das gesamte Organ, schädigen Blutgefäße und die gesamte Bauchspeicheldrüse schwillt an.

 

In leichten Fällen betrifft die Entzündung nur die Bauchspeicheldrüse selbst, während in schweren Fällen auch das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird. Insbesondere die entstehenden Fettgewebsnekrosen sind für den Hund sehr schmerzhaft. Durch die Möglichkeit der Entstehung einer Blutvergiftung, gefolgt von einem Schock und Organversagen handelt es sich dabei um einen akut lebensbedrohlichen Zustand.

 

Flammt eine Entzündung hingegen immer wieder auf, spricht man von einer chronischen Pankreatitis. Durch die dauerhafte Entzündung vernarbt das Pankreasgewebe häufig, was Stück für Stück zu einem Funktionsverlust des Organs führt. Dieser kann so weit gehen, dass es zu einer exokrinen Pankreasinsuffizienz kommt und der Hund mit der Gabe von zusätzlichen Verdauungsenzymen unterstützt werden muss oder einen Diabetes mellitus entwickelt.

Wie entsteht eine pankreatitis beim hund?

Häufig kann der Auslöser für eine Pankreasentzündung nicht sicher ermittelt werden.

Zu den bekannten Risikofaktoren zählen hingegen:

  • Übergewicht
  • die Aufnahme fettreicher Mahlzeiten
  • erhöhte Blutfettwerte (häufig bei Schnauzern)
  • Gabe bestimmter Medikamente (z.B. bestimmte Antibiotika, Medikamente zur Entwässerung, Medikamente zur Kontrolle von epileptischen Anfällen, Schmerzmittel aus der Klasse der NSAID)
  • Operationen in der Region des Dünndarms/ der Bauchspeicheldrüse
  • hormonelle Erkrankungen, wie Diabetes mellitus, Cushing oder eine Schilddrüsenunterfunktion
  • Durchblutungsstörungen und
  • verschiedene Infektionskrankheiten ( z.B. Infektion mit Babesien)

Herausgefunden hat man außerdem, dass bestimmte Hunderassen eher an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erkranken, als andere. Dazu gehören:

  • Boxer
  • Cavalier King Charles Spaniel
  • Cocker Spaniel
  • Collies
  • kleine Terrier-Rassen

woran kannst du eine pankreatitis bei deinem hund erkennen?

Je nach Ausprägung der Entzündungen fallen betroffene Hunde häufig auf mit:

  • Apathie,
  • Appetitlosigkeit,
  • Erbrechen,
  • Bauchschmerzen,
  • Austrocknung und
  • Durchfall

Zusätzlich können auch Fieber, eine Gelbverfärbung der Haut/Schleimhäute, Gewichtsverlust und Schwäche vorkommen.

 

Insbesondere bei akuten Entzündungen erlebt man die oben genannten Symptome als sehr heftig. Betroffene Hunde können dabei auch lebensbedrohliche Kreislaufprobleme entwickeln.

 

Im Gegensatz zu den Symptomen einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse wird eine chronische Pankreatitis häufig nicht bemerkt. Sie kann auch schleichend verlaufen oder nur in Schüben auftreten.

 

Häufig wird die sogenannte Gebetsstellung des Hundes als konkreter Anhaltspunkt für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung gennant, bei welcher der Hund den Vorderkörper auf dem Boden ablegt, während die Hinterbeine gestreckt stehen bleiben. Tatsächlich wird diese aber nur bei etwa jedem 10. Hund mit einer akuten Pankreatitis auch gezeigt.

 

Häufiger gezeigte Anzeichen sind dagegen steife Bewegungen, einer aufgekrümmter Rücken, ungewöhnliche Liegepositionen und bevorzugtes Liegen auf kaltem oder warmen Untergrund.

wie wird eine pankreatitis sicher festgestellt?

Hast Du den Verdacht, dass Dein Hund an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden könnte, solltest Du ihn dringend und umgehend einem Tierarzt vorstellen.

 

Dieser hat in seiner Praxis einen Schnelltest, mit dem sich zumindestens eine hochgradige Pankreatitis sicher nachweisen lässt. Besteht der Verdacht, dass Dein Hund an einer chronischen Pankreatitis leiden könnte, sollte entnommenes Blut für eine genauere Messung in ein Labor geschickt werden.

wie wird eine pankreatitis behandelt?

In akuten und schweren Fällen werden viele Hunde häufig intensivmedizinisch bei einem

Tierarzt in der Praxis bzw. auf der Krankenstation betreut.
Um den Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen und Durchfälle auszugleichen wird häufig eine
Infusion eingesetzt. Schmerzmittel lindern zusätzlich den Entzündungsschmerz.
Schon während der Hund noch stationär aufgenommen ist wird häufig schon mit dem
erneuten Anfüttern begonnen.
Während man Hunde früher während einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung über
mehrere Tage gefastet hat, lautet die heutige Empfehlung betroffene Hunde möglichst nicht
länger als 24 Stunden ohne Futter zu lassen.
Warum?
Durch den kompletten Entzug der Nahrung werden die Darmwandzellen nicht mehr mit
ausreichend Energie versorgt, was zu einer Schwächung der Darmbarriere führt. Besser ist
es deshalb eine hochverdauliche, fettarme Spezialdiät über mehrere kleine Mahlzeiten
verteilt zu füttern. In schweren Fällen kann dazu auch eine Ernährungssonde zum Einsatz
kommen.

wie sollte ein hund nach einer pankreatitis ernährt werden?

Hat Dein Hund die Bauchspeicheldrüsenentzündung gut überstanden solltest Du auch
weiterhin möglichst alle potentiellen Auslöser einer erneuten Entzündung vermeiden.
1. Füttere besser 3-4 kleine Mahlzeiten, als eine große Mahlzeit!
So wird die gesamte Verdauung und auch das Pankreas Deines Hundes auf Dauer entlastet.
2. Füttere hochverdauliches Futter!
Achte hierbei vor allem auf die Qualität des verwendeten Fleisches und den ausreichenden
Aufschluss von Kohlenhydraten.
Hilfreich ist häufig auch eine Reduktion des Eiweißgehalts im Futter auf den tatsächlichen
Bedarf. Da bei der Ernährung nach dem Beutetierprinzip (BARF) auch durchwachsenes
Fleisch und bindegewebige Fleischteile mit hohem Fettanteil gefüttert werden, eignet sich
diese Ernährungsform häufig nicht, um einer erneuten Pankreatitis langfristig vorzubeugen.
3. Füttere ein Futter mit niedrigem Fettgehalt!
Da die Aufnahme von zu viel Fett ein Auslöser einer erneuten Bauchspeicheldrüsenentzündung
sein kann, sollte das Futter nur wenig Fett enthalten. Stattdessen können zur Versorgung mit Energie ausreichend aufgeschlossene Kohlenhydrate eingesetzt werden.
Aber Achtung: auch wenn das Fett im Futter reduziert werden sollte, sollte der Bedarf an
essentiellen Fettsäuren durch das Futter trotz allem sicher gedeckt werden!