Pankreasinsuffizienz beim Hund

Die Bauchspeicheldrüse nimmt eine zentrale Rolle in der ordnungsmäßen Verdauung von Futter ein. Funktioniert sie nicht mehr richtig, kann ein Hund auch keine Nährstoffe mehr aufnehmen - unbehandelt hätte das fatale Folgen !

Wie Du Deinem Hund trotzdem helfen kannst und was bei der Fütterung eines "EPI-Hundes" zu beachten ist, liest Du hier.

Was ist die Bauchspeicheldrüse und was sind ihre Aufgaben?

 

Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ des Verdauungstraktes undhat zwei zentrale Aufgaben.

 

Zum einen hilft sie den Blutzuckerspiegel Deines Hundes zu regulieren, das übernimmt der sogenannte endokrine Teil.

Der exokrine Teil produziert hingegen verschiedene Verdauungsenzyme, die Deinem Hund helfen sein Futter aufzuspalten, damit er es anschließend verdauen kann.

 

 

Damit sich die Bauchspeicheldrüse nicht selbst verdaut, werden die Enzyme in einer inaktiven Form produziert und in den Dünndarm abgegeben.
Dort angekommen werden sie aktiviert und beginnen ihre Arbeit.

 

Zu diesen Enzymen gehören unter anderem:

  • Peptidasen (zur Aufspaltung von Eiweißen)
  • Amylasen (zur Aufspaltung von Kohlenhydraten)
  • Lipasen (zur Aufspaltung von Fetten)

 

 

 

Die Menge der abgegebenen Enzyme passt sich dabei der Futterzusammensetzung an.
So werden z.B. bei sehr eiweißreicher Fütterung mehr Peptidasen abgegeben oder bei sehr kohlenhydratreicher Nahrung mehr Amylasen.

 

was ist eine bauchspeicheldrüseninsuffizienz und wie entsteht sie?

Bei einer Bauchspeicheldrüseninsuffzienz (auch exokrine Pankreasinsuffizienz oder kurz „EPI“)
handelt es sich um einen teilweisen Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse.
Verliert ein zu großer Anteil des Gewebes seine Funktion(nämlich Verdauungsenzyme herzustellen),
kann die Nahrung im Dünndarm nicht mehr ausreichend für die weitere Verdauung vorbereitet werden.

Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate durchwandern so den Verdauungstrakt, ohne vom
Körper tatsächlich verwertet werden zu können. Im Dickdarm angekommen werden die Nahrungsbestandteile zusätzlich durch die dort angesiedelten Bakterien vergoren,
was zu den typischen Durchfällen führt.

 

 

Eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz kann durch eine vorangegangen akute oder chronische Entzündung des Organs ausgelöst werden.
Während der Entzündungsphase vernarbt dabei so viel Gewebe und wird funktionslos, dass eben nicht mehr ausreichend Enzyme produziert werden können.

 

Eine weitere, besondere Form ist die "juvenile Pankreasinsuffizienz".
Hiervon sind vor allem sehr junge Hunde betroffen, die schon zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat die typischen Anzeichen einer Bauchspeicheldrüsenschwäche zeigen.

 

Diese Hunde werden zwar mit einer funktionierenden Bauchspeicheldrüse geboren,
diese beginnt allerdings recht früh wieder zu schrumpfen.

 

Man vermutet, dass es sich dabei um ein autoimmunes Krankheitsgeschehen handelt, welches vererbt werden kann. Kurzhaarcollies und Deutsche Schäferhunde sind dabei besonders häufig von dieser Form betroffen.

 

woran erkennt man eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz?

Betroffene Hunde setzen sehr große Mengen Kot in Form von Durchfällen ab (6-10 Mal pro Tag).

 

Dieser ist häufig sehr hell lehmfarben, riecht säuerlich, enthält große Mengen Fett und oft auch sichtbar unverdautes Futter. Liegt zusätzlich eine Verschiebung der Dickdarmflora vor, können auch schleimige Durchfälle vorkommen.

 

Durch die unzureichende Nährstoffaufnahme hat ein Hund mit einer Pankreasinsuffizienz außerdem ständig großen Hunger. Dieser kann so stark werden, dass auch unverdauliche oder ungenießbare Dinge wie Abfälle oder Kot gefressen werden.
Aber egal wieviel man einem solchen Hund füttert: er verliert immer mehr Gewicht.

 

Versuche, den Hund mit energiereicher Päppelnahrung "wieder hinzukriegen", gehen dabei komplett nach hinten los.

Der häufig hohe Fettgehalt dieser Futter verstärkt die Durchfälle eher.

 

Für den Besitzer auffallend ist außerdem die schuppende Haut und das schlechte Fell.

Junge Hunde, die von der juvenilen Form der Bauchspeicheldrüsenschwäche betroffen sind, entwickeln sich durch die Nährstoffunterversorgung häufig langsamer und hängen ihren gesunden Geschwistern in Größe und Gewicht meist sehr hinterher.

 

wie wird eine bauchspeicheldrüseninsuffizienz beim hund festgestellt?

Passen die genannten Symptome auf Deinen Hund, solltest Du Dich mit Deinem Verdacht schnellstmöglich an Deinen Tierarzt wenden.

 

Nicht jeder voluminöse Durchfall ist direkt eine Bauchspeicheldrüsenschwäche!

Deshalb muss vor jedem Behandlungsversuch eine gründliche Voruntersuchung durch den Tierarzt stattfinden.

 

Durch die Bestimmung des Gehalts einer Enzymvorstufe (Trypsinogen) aus dem Blut, kann die Funktion der Bauchspeicheldrüse sicher beurteilt werden. Sinkt der "TLI" im Blut zu stark ab ist das ein Zeichen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Enzymvorstufen abgibt.
Die Diagnose "Bauchspeicheldrüseninsuffizienz" ist damit gesichert.

 

Damit dieser Test so aussagekräftig wie möglich ist, sollte Dein Hund mindestens 8-12 Stunden vor der Blutabnahme kein Futter mehr aufnehmen. Die zusätzliche Bestimmung von Vitamin B12 und Folsäure aus dem Blut helfen dem Tierarzt außerdem eine eventuelle, bakterielle Überbesiedelung im Dünndarm zu erkennen.

wie sollte ein hund gefüttert werden, der an einer bauchspeicheldrüseninsuffizienz leidet?

Leider kann sich die Bauchspeicheldrüse nicht regenerieren, weshalb die lebenslange Zugabe von Enzymen zum Futter notwendig wird.

 

Die Umstellung auf eine hochverdauliche Diät verbessert zusätzlich die Lebensqualität Deines Hundes indem sie die Verdauung entlastet.

 

Auch eine eventuell vorliegende bakterielle Überwucherung im Dünndarm (sog. SIBO = small intestine bacterial overgrowth) sollte behandelt werden.
Neben der Antibiose vom Tierarzt können hier schon zu Beginn möglichst parallel spezielle Mischungen von Darmkeimen zugefüttert werden, um die Bakterienflora zu unterstützen und die immunologische Funktion des Darms aufrecht zu erhalten.

 

Weitere Regeln für die Fütterung von Hundepatienten mit einer Bauchspeicheldrüsenschwäche:

 

1. Füttere regelmäßige, kleinere Mahlzeiten

So entlastest Du die Verdauung.

Gewöhnst Du Deinen Hund an feste Fütterungszeiten, stellt sich auch die Magensaftproduktion
auf diesen festen Rhythmus ein. So wird die gesamte Verdauung zusätzlich verbessert.

 

2. füttere hochverdauliches, fettarmes futter.

Umso höher die Verdaulichkeit des Futters, desto weniger Arbeit hat die Bauchspeicheldrüse.
Aus diesem Grund sollten für das Futter eines EPI-Hundes möglichst qualitativ hochwertige Zutaten verwendet werden.

 

Kohlenhydrate sollten immer ausreichend aufgeschlossen sein, indem sie sehr weichgekocht werden.
Ein eher geringer Gehalt an Nahrungsfasern erhöht die Verdaulichkeit zusätzlich, wodurch sich auch das Kotvolumen verringern kann.

 

Insgesamt sollte das Futter eher fettarm gestaltet werden.
Hierbei muss allerdings zwingend darauf geachtet werden, trotzdem den Bedarf
an essentiellen Fettsäuren sicher zu decken.

 

Nach Möglichkeit sollte immer auf eine selbstgemachte oder tierärztliche Diät ausgewichen werden. Die üblichen fettreduzierten Trockenfutter im Tierbedarfshandel haben häufig nur eine Verdaulichkeit um die 85% und würden die Bauchspeicheldrüse eher be- als entlasten.

 

3. erhöhte zufuhr an nährstoffen

Durch die eingeschränkte Fettverdauung können auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K häufig nicht mehr ausreichend verwertet werden. Eine Erhöhung der Zufuhr sichert die Nährstoffversorgung auch weiterhin.
Auch der Gehalt an Zink und Vitamin B12 sollten in einer EPI-Diät höher ausfallen.

 

mein hund hat viel gewicht verloren - soll ich ihn erstmal so viel fressen lassen, wie er will?

Nein!

Häufig ist die bloße Zugabe der Enzyme zu den normal großen Futterportionen schon ausreichend, damit der Hund sein Idealgewicht wieder erreicht.

 

 

In Fällen, in denen ein Hund besonders viel Gewicht verloren hat, sollte eine kontrollierte Gewichtszunahme mit einer Erhöhung der Futtermenge von einem Ernährungsberater oder Tierarzt begleitet werden.

 

wie sollen die verdauungsenzyme eingesetzt werden?

Die häufigsten Schwierigkeiten treten bei vielen betroffenen Hundebesitzern in puncto Enzymgabe auf.

 

Der eine Tierarzt empfiehlt die Gabe so, ein anderer so und der Hersteller der Enzyme nochmal ganz anders. Das passiert häufig deshalb, weil es mittlerweile viele verschiedene Formulierungen dieser Enzyme gibt (Pulver, Granulat, Kapseln) und sich auch die Empfehlungen für die Gabe mit der Zeit gewandelt haben.

Was unabhängig von den verschiedenen Präparaten aber immer gilt: die zugesetzten Enzyme sollen die fehlenden körpereigenen Enzyme ersetzen und müssen deshalb zu jeder Mahlzeit zugesetzt werden!

 

 

Es hilft Deinem Hund / seiner Verdauung nicht, morgens die gesamte Enzymdosis ins Futter zu geben und danach nichts mehr.

 

Reagiert Dein Hund allergisch auf Futterbestandteile, solltest Du zusätzlich immer auch einen Blick auf die Zusammensetzung des Enzympräparates werfen.
Viele enthalten neben getrocknetem Schweinepankreas auch noch weitere Nebenerzeugnisse und / oder Zusatzstoffe, die bei Deinem Hund zu allergischen Reaktionen führen könnten.

 

Die Dosierung des Enzympräparates richtet sich neben dem Enzymgehalt des Präparats vor allem auch nach dem Fettgehalt des Futters und der Futtermenge. Häufig sind zu Beginn der Therapie höhere Enzymmengen notwendig, die im Laufe der Behandlung auf eine niedrigere Erhaltungsdosis langsam reduziert werden können.