Niereninsuffizienz beim Hund

 

Eine Niereninsuffizienz beim eigenen Hund ist oft eine Schockdiagnose.

  

  • Aber was ist eine Niereninsuffizienz eigentlich und wie entsteht sie?
  • Kann eine Niereninsuffizienz geheilt werden oder bleibt der Hund für immer krank?
  • Was darf ein nierenkranker Hund überhaupt noch fressen?    

Im Folgenden möchte ich Dir gern ein paar Unsicherheiten nehmen, Deine wichtigsten Fragen zu diesem Thema beantworten und Hinweise für eine nierenschonende Diät geben.

     

Welche Aufgaben haben die Nieren?

 

Die Nieren sind paarig angelegte Organe, die sich im Lendenbereich Deines Hundes befinden (siehe grüne Markierung).

 

Sie haben vor allem die Aufgabe, das Blut von Abfall-und Giftstoffen zu reinigen.

 

Diese können z.B. durch Stoffwechselprozesse entstehen, aber auch bestimmte Medikamente hinterlassen einen gewissen Anteil „Abfall“ im Blut.

 

Das Herausfiltern von harnpflichtigen Stoffen passiert vor allem in den sogenannten Nierenkörperchen, die in der Rinde der Niere verteilt sind.

 

Dem durchströmenden Blut werden im ersten Schritt Wasser, Nährstoffe aber auch Giftstoffe entzogen – so entsteht der sogenannte Primärharn.

      

Damit auch nur die Gift- und Abfallstoffe am Ende ausgeschieden werden, der Körper aber die wichtigen Nährstoffe behalten und für sich nutzen kann, wird dieser Primärhahn nun noch mehrmals gefiltert.

      

So entsteht letztendlich der Endharn, welcher über die Harnleiter und die Harnblase ausgeschieden wird.

 

Was ist eine Niereninsuffizienz und wie entsteht sie?

Läuft etwas schief und die Niere kann nicht mehr voll arbeiten, spricht man von einer Niereninsuffizienz.

Eine Insuffizienz beschreibt dabei immer einfach nur den Umstand, dass ein Organ keine volle Funktionsfähigkeit mehr hat - unabhängig von der Ursache.

     

Zu unterscheiden bei der Niereninsuffizienz sind die akute und die chronische Form.

  

Akute Niereninsuffizienz beim Hund

Eine akute Niereninsuffizienz kommt z.B. vor, wenn ein Hund einen Unfall hatte, in dessen Folge er viel Blut verloren hat.

 

Auch ein Schock oder eine große Operation kann eine akute Niereninsuffizienz zur Folge haben.

     

Sie entwickelt sich also ziemlich schnell innerhalb von Tagen oder sogar Stunden.

Ist der Auslöser allerdings bekannt und kann beseitigt werden, kann sich der Hund auch wieder erholen.

     

Eine akute Niereninsuffizienz ist demnach umkehrbar (reversibel).

     

Chronische Niereninsuffizienz (CNI) beim Hund

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz (kurz: CNI) kommt es über Monate und Jahre zu einem schleichenden Funktionsverlust der Niere.

 

Erste Anzeichen bemerkt man in der Regel erst, wenn bereits 2/3 des Nierengewebes seine Funktion verloren hat.

 

Als Grund für die Entwicklung dieser Erkrankung kommt z.B. ein angeborener Nierenschaden infrage, aber auch andere Grunderkrankungen oder Medikamente können das Entstehen der Erkrankung begünstigen und anfeuern.

 

Bei manchen Hunden besteht auch eine erbliche Veranlagung eine CNI zu entwickeln, die sogenannte Rassenprädisposition.

 

Zu den betroffenen Rassen gehören z.B. Dobermann, Cocker Spaniel, Beagle und Cairn Terrier.

     

Eine chronische Niereninsuffizienz dauert länger als 3-8 Wochen, ist nicht mehr umkehrbar (irreversibel) und kann demnach nicht ausgeheilt werden.

     

Niere im Eimer - was kann ich jetzt tun?

Auch wenn die CNI nicht heilbar ist, gibt es einiges was Du tun kannst um die Lebensqualität Deines Hundes zu erhalten und sein Leben zu verlängern.

     

Ein großer Baustein in der erfolgreichen Langzeittherapie Deines Hundes ist ein passendes Futter, denn mit einer Nierendiät kannst Du:

  • die derzeitige Filterleistung der Niere Deines Hundes aufrechterhalten
  • Appetitlosigkeit und Futterverweigerung vorbeugen
  • durch angepasste Nährstoffzufuhr die Verluste über den Harn wieder ausgleichen

 

Wie sollte eine Nierendiät für einen nierenkranken Hund aussehen?

Als Info vorab: nicht jeder CNI-Patient hat gleich schlechte / gute Blutwerte.

Demnach sollte sich eine passende Nierendiät immer an den Blutwerten des Hundes und seinem Allgemeinbefinden orientieren.

     

Die folgenden Hinweise sind demnach als "grobe Richtung" zu verstehen und müssen nicht für jeden Nierenpatienten zu 100% gleichermaßen gelten.

     

Allgemeine Schmackhaftigkeit & Deckung des Energiebedarfs

 

Durch die Zirkulation der nicht herausgefilterten Abfallstoffe im Blut, ist vielen CNI-Hunden übel und sie sind damit schwer zum fressen zu bewegen.

 

Lässt man einen nierenkranken Hund allerdings hungern, wird er irgendwann beginnen auch auf körpereigene Proteinreserven zur Energieversorgung zurückzugreifen, die wiederum noch mehr Abfallstoffe produzieren, wodurch ihm noch übler wird.

      

Ein nierenkranker Hund muss demnach fressen!

      

Um das zu gewährleisten, sollte sein Futter möglichst lecker sein.

 

Vor allem Fett ist ein toller Appetitanreger und Geschmacksträger, der, im Gegensatz zu Eiweißen, keine neuen Abfallstoffe produziert. Dasselbe gilt zum Teil für Kohlenhydrate.

      

Nierendiäten sollten demnach eher fett- und kohlenhydratreich sein um den Appetit dauerhaft aufrecht zu erhalten und einem Verlust von Körpergewicht vorzubeugen.

      

Geeignet sind hier vor allem fettere hochwertige Eiweißquellen wie fettes Rinderhackfleisch, (gekochter) Schweinebauch und Sahnequark.

      

Eiweiße

Unsere Hunde werden sehr oft mit Eiweißen überversorgt.

 

Das gilt nicht nur für geBARFte Hunde, auch bei den Fertigfuttern hat sich der Trend zu "mehr Fleisch" seit Jahren durchgesetzt.

Für einen gesunden Hund ist das auch absolut kein Problem und hat keine Nachteile.

Vorteile wie größere Muskeln oder schneller rennen können allerdings auch nicht.

     

Da nicht benötigte Proteine im Körper eines Hundes für eine Menge Abfallstoffe sorgen, die über die Niere verstoffwechselt werden müssen, sollte für eine Nierenschonung der Eiweißgehalt des Futters gesenkt werden.

 

Mit "senken" ist hier aber im ersten Schritt eine Anpassung an den tatsächlichen Bedarf gemeint und nichts darunter.

     

Außerdem sollten die verwendeten Eiweiße möglichst hoch verdaulich sein (so entstehen weniger Abfallstoffe) und einen möglichst hohen Gehalt an essenziellen Aminosäuren haben.

     

Bindegewebiges Fleisch, (getrocknete) Sehnen, (getrocknete) Häute und Pansen haben im Napf eines nierenkranken Hundes nichts zu suchen.

     

Viel eher eignen sich fettes Muskelfleisch und Milchprodukte.

     

Phosphor

Eine weitere große Rolle spielt der Phosphorgehalt des Futters.

 

Ein zu hoher Phosphoranteil im Futter begünstigt das schnellere Fortschreiten der CNI beim Hund und wirkt so nachweislich lebensverkürzend.

     

Oft liest man, dass phosphorreiche Lebensmittel wie Reis, Haferflocken und Milchprodukte nicht gefüttert werden dürfen - ungeachtet der gefütterten Mengen und den restlichen Bestandteilen des Futters.

     

Bevor Du Dich aber an Nährwerten einzelner Lebensmittel festkrallst: es ist vor allem wichtig, den Phosphorgehalt einer gesamten Ration zu bewerten und nicht nur den von  einzelnen Lebensmittel!

     

Genügt die reine Phosphorreduktion über das Futter irgendwann nicht mehr um die Nierenwerte in Schach zu halten, ist auch das Zufüttern sogenannter Phosphatbinder möglich.

Dabei handelt es sich vor allem um Calcium- oder Magnesiumverbindungen, welche mit dem Phosphor in der Nahrung einen unlöslichen Phosphatkomplex bilden, der während des Verdauungsvorgangs nicht vom Körper aufgenommen werden kann.

     

Salz

Viele Hunde mit chronischer Niereninsuffizienz leiden zusätzlich auch an Bluthochdruck.

 

Unsere Hunde sind zwar nicht so empfindlich wie wir, wenn es um Natrium geht, trotzdem schadet eine schrittweise Reduktion bis auf den empfohlenen Bedarfswert nicht.

     

Vermeide es Deinem nierenkranken Hund zusätzliches Salz ins Futter zu geben oder salzige Lebens- / Futtermittel zu füttern.

     

Kalium

Eine kranke Niere ist nicht mehr sehr gut darin Kalium aus dem Primärhahn rückzuresorbieren und damit im Körper zu behalten.

Aus diesem Grund sollte einem betroffenen Hund vermehrt Kalium über das Futter zugeführt werden.

     

Ein in der Regel bei Hunden sehr beliebtes und sehr kaliumreiches Futtermittel sind Kartoffeln. Ist der Kaliumwert des Blutes niedrig, füttere sie gern öfter.

     

Ist die Nierenerkrankung Deines Hundes schon weiter fortgeschritten, bekommt er möglicherweise bereits Entwässerungsmittel (Diuretika).

Handelt es sich dabei bereits um ein kaliumsparendes Diuretikum, ist eine kaliumreiche Fütterung in der Regel nicht notwendig. Bitte erkundige Dich in diesem Fall bei Deinem Tierarzt.

     

Wasserlösliche Vitamine

Ist die Urinausscheidung bei Deinem Hund aufgrund der Niereninsuffizienz erhöht, sollten unbedingt B-Vitamine ergänzt werden.

Diese werden bei einer Niereninsuffizienz zum Teil oft ungenutzt wieder ausgeschieden.

     

Da Dein Hund Vitamin C selbst im Körper bilden kann, ist eine Zufütterung dieses wasserlöslichen Vitamins theoretisch nicht notwendig. Da es sich dabei aber auch um ein Antioxidant handelt, kann es in kleinen Mengen trotzdem zum Schutz von Zellen beitragen.

     

Omega-3-Fettsäuren

Von den Omega-3-Fettsäuren ist schon aus anderen Zusammenhängen bekannt, dass sie in der Lage sind Entzündungsreaktionen in Geweben herunterzuregulieren.

 

Dazu müssen sie in ausreichender Menge und in entsprechendem Verhältnis zu Omega-6-Fettsäuren im Futter vorkommen.

     

Reich an Omega-3-Fettsäuren sind z.B. Lachs und Lachsöl.

     

Antioxidantien

Radikalfänger wie Vitamin E und Beta-Carotine schützen das Nierengewebe und dürfen deshalb reichlich im Futter vorkommen.

Eine natürliche Quelle für Vitamin E ist z.B. Weizenkeimöl, Beta-Carotine lassen sich vor allem in Pflanzen und Früchten finden.

     

Schau Dir dazu doch auch mal die 9 Superfoods für Deinen Hund an!

    

Einsatz von Nahrungsfasern & leicht fermentierbaren Kohlenhydraten

Um die Gesamtmenge an zu verarbeitenden Abfallstoffen für die Niere so gering wie möglich zu halten, können zusätzliche Faserstoffe oder leicht fermentierbare Kohlenhydrate tolle Helfer sein.

     

Sie säuern den pH-Wert des Darms an, womit es zu einer schnelleren Darmpassage kommt, was wiederum zu einer geringeren Aufnahme von Abfallstoffen führt.

Zusätzlich sind sie "gutes Bakterienfutter" was wiederum zu einer gesunden Darmflora beiträgt und ungünstige Bakterien (die auch wieder Abfallstoffe produzieren und damit die Niere belasten) reduzieren können.

Hierfür eignen sich z.B. Pektin oder Laktulose.

Beide können in der Dosierung 1g/kg Körpergewicht am Tag, gleichmäßig auf alle Mahlzeiten verteilt, gefüttert werden. Bitte steigere aber die Menge bis zur empfohlenen Dosierung langsam - sonst gibt es Durchfall.

     

Wasser

Auch wenn der ständige Harndrang Deines Hundes im Alltag vielleicht manchmal anstrengend ist:

ein nierenkranker Hund muss immer Zugang zu ausreichend Wasser haben – auch nachts!

     

Prognose der chronischen Niereninsuffizienz beim Hund

Natürlich ist die Prognose immer von den Nierenwerten, bzw. dem Stadium der Erkrankung in welchem Dein Hund sich aktuell befindet, abhängig.

     

Aber auch wenn die chronische Niereninsuffizienz beim Hund nicht heilbar ist, sind die Chancen doch relativ gut mit einer angepassten Diät und regelmäßigen Kontrollen beim Tierarzt noch einiges an Zeit und schönen Momenten herauszuholen.