Welchen Nutzen haben Kohlenhydrate in der Hundeernährung?

 

Eine Frage die vielleicht ein bisschen provokant, aber auch interessant zugleich ist.

Lass uns der Frage also etwas genauer auf den Grund gehen. So kannst Du am Ende selbst entscheiden, welche Kohlenhydrate Dein Hund in welcher Form und Menge bekommen sollte.

 

Was sind Kohlenhydrate? Wozu sind sie gut?

Kohlenhydrate bestehen nüchtern betrachtet aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Je nach Verkettung dieser Moleküle spricht man von Einfachzuckern (Monosacchariden), Zweifachzuckern (Disacchariden) oder Mehrfachzuckern (Polysacchariden).

Ich weiß, alles noch ein bisschen abstrakt, deshalb ein paar Beispiele:

 

Zu den Einfachzuckern zählen z.B.

  • Glukose - kennst Du bestimmt aus Sirup oder Marmelade, ist nur mäßig süß
  • Fruktose - kennst Du sicher auch als Fruchtzucker aus reifen Früchten oder im Honig, ist sehr süß

Zweifachzucker:

  • Laktose - kennst Du sehr wahrscheinlich aus Milch und einigen Milchprodukten, beides so gar nicht süß
  • Saccharose - das ist der normale Haushaltszucker und der ist so süß, dass mir meine Zähne schon weh tun nur beim Gedanken an einen Teelöffel davon

Mehrfachzucker:

  • Stärke - die kommt z.B. in Kartoffeln vor, aber auch in Reis, Weizen,... und ist auch so gar nicht süß

Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker dienen vor allem als Energieversorger des Körpers. Unverdauliche Kohlenhydrate - die Ballaststoffe - sind außerdem wichtig für eine gesunde Darmflora und damit unter anderem verantwortlich für eine funktionierende Verdauung.

 

Außerdem und der Vollständigkeit halber: Auch Glykogen ist ein Mehrfachzucker. Dieser wird vom Hund allerdings in der Leber und der Muskulatur gebildet und auch dort gespeichert (Ja! Zucker in Muskeln – verrückt, oder?). Sinkt sein Blutzuckerspiegel ab, „verwandelt“ der Körper das Glykogen wieder in Glucose und kann so dauerhaft den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht halten.

 

Welche Lebensmittel enthalten Kohlenhydrate?

Kohlenhydrate kommen in pflanzlichen Lebens- und Futtermitteln, genauso wie in Milchprodukten, Früchten, Gemüsen und Honig vor. In der Hundeernährung finden als Energielieferant aber vor allem die sogenannten "komplexen Kohlenhydrate" ihren Platz auf dem Speiseplan des Hundes.

 

Diese komplexen Kohlenhydrate zeichnen sich durch besonders lange Molekülketten aus (-> es handelt sich also um Mehrfachzucker), welche eine gewisse Weile benötigen um vom Körper aufgespalten und als Energielieferant genutzt zu werden.

So entsteht zum einen ein gutes Sättigungsgefühl, zum anderen steigt der Blutzucker nur langsam an und fällt anschließend auch nur langsam wieder ab. Eine Tatsache, die vor allem für "Hibbelhund-Besitzer" interessant ist.

 

Komplexe Kohlenhydrate sind vor allem in Vollkornprodukten enthalten, aber auch in Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis, Tapioka und Gemüse.

 

Immer mehr im Kommen sind außerdem die glutenfreien Pseudogetreide wie Amaranth, Quinoa und Buchweizen die zwar teilweise wie Getreide zubereitet werden können, korrekterweise jedoch nicht zu derselben Pflanzenfamilie gehören. Selbst Allergiker vertragen diese Kohlenhydratquellen in der Regel (noch) sehr gut. Auch sie gehören zu den komplexen Kohlenhydraten.

 

Was benötigt man (hund) um Kohlenhydrate zu verdauen?

Damit Dein Hund die Kohlenhydrate – egal ob Reis, Kartoffeln oder Amaranth – auch tatsächlich verdauen kann, ist etwas Vorarbeit von Deiner Seite nötig.

 

Der auserkorene Kohlenhydratträger muss in irgendeiner Art und Weise verarbeitet werden. So können sich die Enzyme im Verdauungstrakt später viel besser an die Moleküle der Stärke anlagern. Und wenn sie sich besser anlagern können, kann der Hund das Nahrungsmittel besser für sich nutzen, bzw. es besser verdauen.

 

Koche daher Nudeln, Reis oder Kartoffeln ruhig auch immer einen Tick länger als Du es für Dich tun würdest. Damit sorgst Du für eine bessere Verdaulichkeit.

 

Weitere Varianten wären auch das Verfüttern von bereits gepoppten/ gepufften Getreiden (z.B. Amaranth-Pops, gepuffter Dinkel) oder eingeweichten Flocken (z.B. zarte Haferflocken oder Schmelzflocken, Kartoffelflocken). Durch den vorherigen thermischen und mechanischen Aufschluss, musst Du diese Kohlenhydratträger dann nicht mal mehr kochen.

 

Die Verdauung von Kohlenhydraten beim Hund

Bei uns Menschen und auch bei Schweinen beginnt schon während der Aufnahme von Kartoffeln und Co. die Verdauung der Kohlenhydrate im Mund. Unseren Hunden fehlt das Enzym Ptyalin hingegen. Macht aber nichts, denn: die größte Verdauungsarbeit findet in diesem Fall sowieso im Dünndarm statt.

 

An den Dünndarm ist nämlich die Bauchspeicheldrüse angedockt, die z.B. neben dem Enzym Lipase (zur Fettverdauung) auch das Enzym Amylase für die Verdauung von Kohlenhydraten produziert und abgibt. Dieses Enzym zerstückelt die Stärke, sodass sie an der Wand des Bürstensaums im Darm wiederum von anderen Enzymen (Maltase, Saccharase und Isomaltase) noch kleiner zerstückelt, zu Glucose umgebaut und letztendlich über die Darmwand aufgenommen werden kann.

 

Fassen wir also zusammen: um als Hund Stärke, also Kohlenhydrate verdauen zu können, benötigt man einen freundlichen Menschen mit einem Kochtopf (haben die meisten Hunde) und das Enzym Amylase (hat der Hund auch, bzw. seine Bauchspeicheldrüse).

 

Bonus: Kohlenhydrate für eine gesunde, funktionierende Verdauung

Wie schon kurz angerissen, können Kohlenhydrate aber noch viel mehr als „nur“ Energie liefern.

Die unverdaulichen Kohlenhydrate liefern in Form von Ballaststoffen zusätzlich ein sehr wichtiges Futter für die Mikroorganismen im Darm Deines Hundes.

 

Diese Mikroorganismen halten den ganzen (Verdauungs- und Immun-) Laden erst am Laufen, denn auch sie tragen einen wichtigen Anteil zu einer gesunden, gut funktionierenden Verdauung bei.

Unter anderem hält die Mikroflora des Darms nämlich krankmachende Keime und andere Schädlinge fern und hat großen Anteil am Immunsystem eines Lebewesens.

 

In meinem Blogartikel „Mikrobiom – Darmflora- Darmsanierung: alle reden darüber, aber was ist das eigentlich?“ kannst Du noch mehr über die Wichtigkeit der Ballaststoffe in der Ernährung von Hunden lesen.