Herzerkrankungen beim Hund

 

Laut wissenschaftlichen Untersuchungen ist fast jeder 10. Hund von einer Herzerkrankung betroffen.

 

Die Zahl der diagnostizierten Herzerkrankungen steigt etwa ab dem 5. Lebensjahr, betroffen sind kleine wie auch große Hunderassen.

 

Aber:

  • Wie funktioniert das Herz genau und was kann daran denn überhaupt „kaputt sein“?
  • Können Herzerkrankungen behandelt werden und wenn ja, wie?
  • Kann das tägliche Futter einen Hund mit einer Herzerkrankung unterstützen?
  • Wie hoch ist die Lebenserwartung von betroffenen Hunden?

Lass uns loslegen und diese Fragen klären…

 

Wie funktioniert das Herz?

Das Herz ist ein großer Muskel, welcher den Lungenkreislauf mit dem Körperkreislauf verbindet. Dadurch ist es in der Lage jedes Organ mit ausreichend Sauerstoff, aber auch Nährstoffen zu versorgen und so die reibungslose Funktion des gesamten Körpers zu gewährleisten.

 

Das Herz ist dabei unterteilt in zwei große Kammern, welche jeweils einen Vorhof besitzen.

 

Die Herzkammern werden insgesamt von vier Herzklappen verschlossen.

 

  • Sauerstoffarmes Blut (blau) gelangt durch die obere und untere Hohlvene (1) aus dem Körperkreislauf in den rechten Vorhof (2) des Herzens,
  • passiert die Trikuspidalklappe (3)
  • und wird dann von der rechten Herzkammer (4)
  • durch die Pulmonalklappe (5) und die Lungenarterien in Richtung Lunge gepumpt.

 

  • In der Lunge wird das Blut mit Sauerstoff angereichert (rot)
  • und über die Lungenvenen (6) zurück in das Herz transportiert.
  • Auch dort passiert es erst den linken Herzvorhof (7),
  • die Mitralklappe (8),
  • die linke Herzkammer (9) und
  • wird schließlich durch die Aortenklappe (10) in den Körperkreislauf gepumpt.

Welche Herzerkrankungen gibt es?

Nachdem Du nun eine Vorstellung davon hast, wie das Herz funktioniert, verschaffen wir uns einen Überblick, was am Herz so „kaputt sein“ kann.

 

Grundsätzlich unterscheidet man dabei angeborene und erworbene Herzerkrankungen.

 

Angeborene Herzfehler sind z.B.:

  • Verengungen unterhalb der Aortenklappe (10) (eine sogenannte Subaortenstenose)
  • Missbildungen im Bereich der Pulmonalklappe (5) (Pulmonalstenose)
  • ein "Loch" in der Herzscheidewand (gelb) zwischen linker und rechter Herzhauptkammer (Ventrikelseptumdefekt)

Zu den erworbenen Herzerkrankungen zählen z.B.:

  • durch Verschleiß bedingte Mitralklappenerkrankungen (8) (Mitralendokardiose)
  • eine Erweiterung des Herzmuskels (orange) (dilatative Kardiomyopathie)
  • Tumoren am Herzen

Welche Herzerkrankungen treten am häufigsten auf und welche Hunde sind davon betroffen?

Am häufigsten treten bei Hunden Herzklappenerkrankungen und Herzmuskelerkrankungen auf.

 

Was passiert bei einer Herzklappenerkrankung genau?

 

Bei einer sog. Klappenendokardiose handelt es um eine Veränderung einer Herzklappe.

 

Am häufigsten betroffen sind die Klappen zwischen Herzvorhof und Herzkammer (also die Trikuspidalklappe (3) und die Mitralklappe (8)).

 

Durch eine wulstige Verdickung werden die Klappen undicht und schließen nicht mehr richtig. Anstatt in den Körperkreislauf fließt das Blut z.B. in den linken Vorhof (7) zurück und die Herzleistung sinkt.

Mit der Zeit verändert sich die Klappe immer stärker, wodurch sie immer undichter wird.

 

Kann das Herz die verminderte Leistung irgendwann nicht mehr kompensieren, kommt es zu den typischen Symptomen wie

  • Husten und Würgen
  • Kurzatmigkeit oder erschwerte Atmung
  • erhöhte Atemfrequenz
  • Unruhezustände (besonders nachts)
  • Ohnmachtsanfälle
  • Schwäche, Bewegungsunlust, Belastungsintoleranz bis hin zu Kollaps in fortgeschrittenen Stadien
  • Gewichtsverlust
  • vergrößerter Bauchumfang durch Wassereinlagerung
  • Wachstumsstörungen bei angeborenen Herzkrankheiten

Betroffen sind vor allem Hunde kleinerer Rassen fortgeschrittenen Alters.

 

Dazu zählen insbesondere

  • Dackel
  • Pudel
  • Spitz
  • Chihuahua
  • Cocker Spaniel
  • Lhasa Apso
  • Shih Tzu
  • Yorkshire Terrier

Bei Cavalier King Charles Spaniels kann die Klappenerkrankung bereits sehr häufig schon mit 5 Jahren festgestellt werden.

 

Was passiert bei einer Herzmuskelerkrankung?

Häufig kommt bei Hunden auch die sog. dilatative Kardiomyopathie (DCM) vor.

Dabei handelt es sich um eine Herzmuskelschwäche.

Im Verlauf dieser Erkrankung dünnen die muskulösen Herzwände immer mehr aus und wirken wie ausgeleiert, dadurch haben sie nicht mehr genügend Kraft das Blut ordnungsgemäß weiter zu befördern.


Leidet ein Hund an einer DCM, treten die Symptome oft ganz plötzlich auf und dem Hund geht es innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten immer schlechter.

Diese Herzmuskelerkrankung kann dadurch lange Zeit unbemerkt bleiben, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig sind.

Typischerweise sind häufig große Rassen im mittleren Alter betroffen, vor allem aber

  • Deutsche Doggen
  • Boxer
  • Dobermann
  • Irischer Wolfshund
  • Afghane
  • Neufundländer

Die Symptome sind in der Regel dieselben wie bei den Klappenerkrankungen.

 

Wie werden Herzerkrankungen beim Hund behandelt?

Hast Du den Verdacht, dass Dein Hund an einer Herzerkrankung leiden könnte, solltest Du Dich an Deinen Tierarzt wenden.

Vielerorts gibt es mittlerweile auch Herzspezialisten für Hunde, welche die nötige Diagnostik inkl. Herzultraschall, Blutdruckmessung etc. durchführen können.

 

Je nach Erkrankung und in welchem Erkrankungsstadium sich Dein Hund befindet, wird der Tierarzt entscheiden ob eine Medikation notwendig ist und wenn ja, welche und in welcher Dosierung.

 

In der Therapie werden oft je nach Erkrankung

  • ACE-Hemmer (Entlastung des Herzens durch Gefäßweitstellung),
  • Diuretika (Entwässerungsmedikamente - werden eingesetzt, wenn z.B. in der Lunge oder im Bauch Flüssigkeitsansammlungen bestehen),
  • Herzglykoside (erhöhen die Schlagkraft des Herzens und erniedrigen die Frequenz des Herzschlags) und
  • Pimobendan (erhöht die Kontraktionsfähigkeit des Herzens) eingesetzt.

Die Therapie von Herzerkrankungen ist oft eine lebenslange Therapie. Leidet Dein Hund an einer Herzerkrankung, solltest Du in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durchführen lassen.

So kann die aktuelle Herzleistung mit der Medikation abgeglichen und ggf. angepasst werden.

 

Die passende Herzdiät für Deinen Hund

Befindet sich Dein Hund noch in einem Erkrankungsstadium, in dem noch keine Medikamente notwendig sind, kannst Du ihn trotzdem schon mit einem entsprechend angepassten Futter unterstützen.

 

Benötigt Dein Hund hingegen bereits Medikamente, würde ich Dir eine Futteranpassung dringend anraten.

 

Neben der passenden Medikation und regelmäßigen Kontrollen, ist die Herzdiät ein weiterer wichtiger Grundpfeiler um die Lebensqualität und Gesundheit Deines Hundes möglichst lang zu erhalten.

 

8 Tipps möchte ich Dir im Folgenden verraten, bitte beachte aber, dass die Fütterungsempfehlungen nicht zu 100% auf die Herzerkrankung Deines Hundes passen müssen!

 

Sie sollen lediglich als allgemeine Information für die Fütterung betroffener Hunde verstanden werden.

 

Idealgewicht halten

Sollte Dein Hund in puncto "Fettreserven" etwas zu gut vorgesorgt haben, hilf ihm sein Idealgewicht zu erreichen.

Vor allem Übergewicht kann den Kreislauf und damit auch das Herz stark belasten.

 

Durch die abnehmende Aktivität im Alltag steigt vor allem für viele Hundesenioren das Risiko Übergewicht zu entwickeln.

 

Sollte Dein Hund aufgrund der Herzerkrankung bereits Gewicht verloren haben, solltest Du die Kalorienzufuhr wieder etwas hochschrauben. Auch Untergewicht ist auf Dauer nicht gesund fürs Herz und den gesamten Körper.

 

Eiweiß

Eiweiße sind die Bausteine vieler Körpergewebe und sollten auch bei einer Herzinsuffizienz in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

 

Da es durch die Herzerkrankung aber zu einer verminderten Durchblutung der Organe, unter anderem auch Leber und Niere kommen kann, solltest Du diese nicht mit Bergen an Fleisch und deren, durch die Verstoffwechselung anfallenden, "Abfallstoffen" überlasten.

 

Ein Proteinüberschuss bringt zwar für einen gesunden Hund keine Nachteile, hat aber auch keine Vorteile.

So ergibt sich auch für einen Herzpatienten kein wichtiger Grund weiterhin an möglichst vielen Proteinen im Futter festzuhalten.

 

Entlastung bringen vor allem hochwertige, gut verdauliche Proteine in bedarfsgerechter Menge, dazu zählen z.B. Muskelfleisch, Eier und Milchprodukte.

 

Salz

Viele Hunde mit Herzerkrankungen können Wasser und Natrium zum Teil nicht mehr richtig ausscheiden.

Aus diesem Grund sollte das Futter eher salzarm gestaltet werden.

Besondere Vorsicht ist bei "kleinen Snacks" geboten.

Die meisten Hundekekse / Leckerchen die es zu kaufen gibt, enthalten zusätzliches Salz, dasselbe gilt für Wurst und Käse.

 

Kalium

Insbesondere wenn Dein Hund entwässernde Medikamente (Diuretika) oder Herzglykoside erhält, solltest Du die Kaliumzufuhr über das Futter erhöhen.

Kalium ist ein wichtiger Nährstoff für die Herzgesundheit und wird u.a. für die Regulation der Herzfrequenz benötigt.

Die Kontrolle der Elektrolyte im Blut gibt Aufschluss darüber, ob die Kaliumversorgung mit dem Futter ausreicht oder noch weiter erhöht werden sollte.

 

Vor allem Kartoffeln sind sehr kaliumreich und können gut in einer Herzdiät verwendet werden.

 

Vitamine

Als Antioxidant schützt Vitamin E die Zellen und unterstützt den Herzmuskel.

Demnach dürfen Nahrungsmittel mit hohem Vitamin E-Gehalt gut und gerne öfter den Weg auf den Speiseplan Deines Hundes finden.

 

Besonders reich an natürlichem Vitamin E ist z.B. Weizenkeimöl.

 

Auch Vitamin B-haltige Futtermittel wie Bierhefe, (gekochtes) Schweinefleisch, Milchprodukten und buntes Gemüse dürfen gern regelmäßig in den Napf.

Wie bei Hunden mit Nierenerkrankungen wird auch bei Herzpatienten ein erhöhter Bedarf angenommen, insbesondere wenn Dein Hund entwässernde Medikamente (Diuretika) bekommen sollte.

 

L-Carnitin & Taurin

Bei Carnitin und Taurin handelt es sich um Stoffe, die sich der Körper Deines Hundes in der Regel selbst ganz gut aus den einzelnen Bausteinen der Eiweiße zusammenbasteln kann.

 

Beide sind notwendig für eine normale Herzfunktion.

Carnitin spielt dabei eine große Rolle in der allgemeinen Energieversorgung des Herzens, Taurin stabilisiert den Herzmuskel und sorgt für einen regelmäßigen Herzschlag.

 

Untersuchungen haben gezeigt, dass einige Hunde mit einer dilatativen Kardiomyopathie (DCM) an einem Mangel dieser Stoffe litten.

 

Insbesondere Boxer, Dobermänner und Cocker Spaniel sollten bei Auftreten einer DCM mit zusätzlichem L-Carnitin im Futter versorgt werden.

 

Die Dosierung beträgt hierbei 50 – 100 mg L-Carnitin pro kg Körpergewicht bis zu 3 mal täglich.

 

Vor allem bei größeren Hunderassen scheint die Taurin-Selbstherstellung im Körper im Vergleich zu kleineren Rassen eingeschränkt zu sein.

Relativ häufig betroffen sind an DCM erkrankte Hunde der Rassen Labrador Retriever, Golden Retriever, Bernhardiner und Englisch Setter.

 

Je nach Größe darf Dein Hund 2 mal täglich 500 -1000 mg Taurin (bei einem Gewicht <25kg) oder 2 mal täglich 1 – 2 g Taurin (bei einem Gewicht >25kg) mit dem Futter bekommen.

 

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren sind bekannt für das Herunterregulieren von Entzündungsreaktionen in Geweben.

Jetzt fragst Du Dich vielleicht „Hä? Mein Hund hat aber keine Entzündungen, sondern ist herzkrank!“

 

Ja, und vor allem bei schweren Herzerkrankungen schüttet der Körper Deines Hundes vermehrt Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) aus, welche einen negativen Einfluss auf die Futteraufnahme haben können.

 

Daher ist auch bei Herzerkrankungen das Füttern von Omega-3-reichen Lebensmitteln wie Fisch oder Lachsöl eine sinnvolle Sache. Zusätzlich animiert der Fischgeruch viele Hunde zu fressen.

 

Portionsgrößen

Entlaste den Kreislauf Deines Hundes, indem Du ihm mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen fütterst.

 

Ein stark gefüllter Magen kann gegen das Zwerchfell drücken, damit den Raum für das (vielleicht sowieso schon vergrößerte) Herz einengen und so seine Pumpleistung unnötig erschweren.

 

Naturheilkundliche Unterstützung

Neben einer angepassten Fütterung kannst Du Deinen Hund darüber hinaus auch mit naturheilkundlichen Mitteln behandeln.

Der „Star“ unter den pflanzlichen Herzpräparaten ist dabei der Weißdorn.

 

Dieser gehört zu den Rosengewächsen und wächst als kleiner dorniger Busch oder Baum und ist gut an seinen kleinen weißen Blüten zu erkennen.

 

Weißdorn…

  • Verbessert die allgemeine Durchblutung
  • steigert die Durchblutung der Herzkranzgefäße
  • verbessert die Herzleistung
  • verbessert die Kraft des Herzmuskels
  • wirkt gegen Rhythmusstörungen

Weiterhin ist er bei der begleitenden Behandlung von Herzerkrankung so attraktiv, da er bei nahezu allen Herzerkrankungen eingesetzt werden kann und eine sehr gute Wirksamkeit aufweist.

In der Regel ist die parallele Gabe zu einer bereits bestehenden Herzmedikation kein Problem, besprich Dich dazu aber am besten kurz vor dem Einsatz nochmal mit Deinem Tierarzt.

 

Lebenserwartung herzkranker Hunde

Die Lebenserwartung von herzkranken Hunden ist je nach Erkrankung und Schweregrad unterschiedlich.

 

Bei angeborenen Herzfehlern mittelschweren Grades stehen die Chancen gut, dass der Hund sein rasse- / größentypisches Alter erreicht.

 

Vor allem bei Klappenerkrankungen kann man eine schleichende Verschlechterung über mehrere Monate und Jahre beobachten, oft sind die betroffenen Hunde dabei aber weitestgehend beschwerdefrei.

 

Ungünstig ist in jedem Fall, wenn, unabhängig von welcher Herzerkrankung der Hund betroffen ist, sogenannte Dekompensationssymptome auftreten.

Dabei zeigt der Hund auch ohne körperliche Anstrengung Symptome wie z.B. erschwerte Atmung, Ohnmachtsanfälle und Schwäche zeigt.