Harnsteine beim Hund

 

Neben der Blasenentzündung und der Inkontinenz, gehören Harnsteine zu den wichtigsten Erkrankungen der ableitenden Harnwege.

 

Mit den ableitenden Harnwegen sind die „Einrichtungen“ des Körpers gemeint, die helfen Urin von den Nieren weg aus dem Körper zu transportieren.

 

Die Nierenbecken sammeln den Urin und leiten ihn über die Harnleiter weiter an die Blase zur Zwischenspeicherung. Ist die Blase so voll, dass es sich lohnt sein Bein zu heben oder sich hinzuhocken, wird der Urin über die Harnröhre aus der Blase abgelassen.

 

Wie da jetzt Steine hinkommen? Finden wir es heraus! 

 

Was sind Harnsteine und wie entstehen diese?

Harnsteine sind plump gesagt mineralhaltige Kristalle, die mit der Zeit zu großen Kristallklumpen (den Harnsteinen) „gewachsen“ sind.

Diese Kristalle entstehen schon in der Niere und setzen sich z.B. in den Nierenbecken, am häufigsten aber in der Harnblase fest.


Die Zusammensetzung der Steine kann unterschiedlich sein. Neben den oft bekannten Struvit-, Oxalat-, Urat- und Cystinsteinen, kommen auch sogenannte „Mischsteine“ vor. Seltener trifft man auf Calciumphosphat- und Silikatsteine.

 

Für die Entstehung gibt es eine Reihe von Gründen und oft müssen diese gemeinsam auftreten um eine Harnsteinerkrankung auszulösen. Vorerkrankungen wie Blaseninfektionen, bestimmte Lebererkrankungen oder auch Fehler bei der Fütterung können begünstigend wirken. Manche Rassen besitzen außerdem eine erbliche Veranlagung eher an bestimmten Steinarten zu erkranken. Hunde, die nur wenig Flüssigkeit aufnehmen, sind außerdem eher gefährdet Harnsteine zu entwickeln.

 

Woran erkenne ich Harnsteine bei meinem Hund?

Sich super gut mit Harnsteinen auszukennen ist klasse. Allerdings muss man ja erstmal darauf kommen, dass der eigene Hund vielleicht welche hat.

 

Die Anzeichen sind dabei für den aufmerksamen Beobachter gar nicht so schwer zu erkennen:

  • großer Harndrang
  • der Harnabsatz ist beschwerlich und dauert länger als gewöhnlich
  • Schmerzen bei Harnabsatz
  • häufige Versuche Harn abzusetzen
  • Schmerzen im Bauchbereich
  • Harnträufeln oder Inkontinenz
  • Blut im Urin

Aber Achtung! Auch eine Blaseninfektion kann diese Symptome auslösen. Deshalb solltest Du als nächstes Deinen Tierarzt aufsuchen, damit dieser die Symptome eindeutig einer Erkrankung zuordnen kann.

 

Mein Hund hat Harnsteine - was passiert jetzt?

Je nachdem um welche Art von Harnsteinen es sich bei Deinem Hund handelt, gibt es verschiedene Vorgehensweisen.

 

Eine Operation wird vor allem nötig, wenn der Harnstein an einer sehr ungünstigen Stelle des Harnapparates sitzt, er massive Beschwerden verursacht, bereits zu groß ist, oder er nicht mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst werden kann.

 

Auch hier wird der Tierarzt die für euch besten Optionen mit Dir durchsprechen und ihr entwickelt gemeinsam „einen Schlachtplan“.

 

Wie kann ich meinen Hund jetzt am besten unterstützen?

Wasseraufnahme

Für Harnsteinpatienten gilt: trinken, trinken, trinken!

So wird der Urin Deines Hundes verdünnt, Kristalle werden ausgespült und können sich nicht an den vorhandenen Stein anheften um ihn noch weiter zu vergrößern.

 

Du solltest Deinen Hund möglichst mit Feuchtfutter füttern. Trockenfutter sollte mindestens mit dem 3-fachen an Wasser eingeweicht werden.

Bekochst Du Deinen Hund, setze ruhig mal für eine Weile leckere Suppen auf den Speiseplan.

 

Regelmäßiger Harnabsatz

Was oben rein kommt, muss unten wieder raus. Um die Verweildauer des Urins in der Blase zu verkürzen, sind regelmäßige Spaziergänge und "Pipirunden" Pflicht - insbesondere bei Harnsteinerkrankungen.

 

Nährstoffzufuhr

Vor allem ein Überschuss an Calcium, Phosphor und Magnesium im Futter erhöht die Gefahr der Harnsteinbildung. Lass im Zweifel Dein Fertigfutter oder Deine selbstzubereiteten Futterrezepte auf den Gehalt an Mineralien überprüfen.

 

Urin-pH-Wert

Dieser Tipp ist am schwierigsten umzusetzen.

Zum einen sind die genauen Gehalte von Kationen und Anionen im Futter nicht bekannt (die sind verantwortlichen für den Harn-pH-Wert), zum anderen führen Mahlzeiten und unter Umständen auch Leckerlies zu einer richtigen „pH-Wert Achterbahn“ des Harns.

 

Hier wäre es hilfreich, wenn Du Dir aus der Apotheke ganz einfache pH-Teststreifen besorgst und den pH-Wert früh morgens aus dem Urin Deines Hundes bestimmst. Er sollte dafür im besten Fall noch nichts gefressen haben. Alternativ sind auch Ergebnisse ~4 Stunden nach der letzten Futteraufnahme aussagekräftig.

So bekommst Du während der Therapie aber auch für eine weitere Prophylaxe relativ schnell einen Überblick, ob der pH-Wert des Urins auch dauerhaft richtig eingestellt ist.

 

Bevor Du Dich gleich mit den Möglichkeiten der Prophylaxe und der begleitenden Ernährung der einzelnen Steintypen vertraut machst, vorab noch(mal) ein wichtiger Hinweis:

 

Es ist sehr, sehr wichtig, dass Du den genauen Steintyp Deines Hundes von einem Tierarzt bestimmen lässt. Andernfalls ist es möglich, dass sich die Beschwerden Deines Hundes verschlimmern.

 

Bei Harnsteinerkrankungen führt wirklich kein Weg am Tierarzt vorbei!

 

Du hast genickt und verstanden? Gut, dann mal los 😊

 

Struvitsteine

Struvitsteine kommen häufiger bei weiblichen als bei männlichen Tieren vor, oft auch in Verbindung mit Harnwegsentzündungen.

 

Relativ häufig sind die Rassen:

  • Zwergschnauzer
  • Bichon Frisée
  • Cocker Spaniel
  • Shi Tzu
  • Zwergpudel
  • Lhasa Apso

betroffen.

 

Sind die Steine besonders groß, müssen sie operativ entfernt werden. Alternativ gibt es aber auch die Möglichkeit der Steinauflösung mithilfe von Medikamenten.

 

Struvitsteine bilden sich bei einem alkalischem pH (>7) und lassen sich bei einem saurem pH auflösen.

 

Während der Phase der Auflösung sollte der Harn-pH bei 6,2 – 6,5 liegen, zur dauerhaften Vorbeugung eines Rückfalls sind 6,6 – 6,8 ausreichend.

 

Da der pH-Wert nach jeder Mahlzeit für einen gewissen Zeitraum ansteigt, sollte Dein Hund während der Therapiephase möglichst wenige Mahlzeiten über den Tag verteilt bekommen (1 bis 2).

 

Außerdem sollte das Futter Deines Hundes nicht übermäßig viel Magnesium und Phosphor enthalten.

Hierfür hält Dein Tierarzt extra Diäten bereit, bei selbstgemachtem Futter ist es oft schon von Vorteil Futterzusätze wegzulassen, den Fleischanteil zu reduzieren und auf die Fütterung von Knochen eine Weile zu verzichten.

 

Noch ein kurzes Wort zur Ansäuerung des Harns...

 

Teilweise wird noch behauptet, dass Vitamin C z.B. aus Hagebutten / Hagebuttenpulver gut zur Ansäuerung von Urin geeignet wäre. In einer Studie ist die erwartete pH-Senkung allerdings nicht eingetreten, weshalb Du Dich für den Therapiezeitraum bitte unbedingt an die Medikamente des Tierarztes halten solltest.

 

Kalziumoxalatsteine

Ältere, kastrierte Rüden und Hunde mit Übergewicht neigen besonders zur Bildung von Kalziumoxalatsteinen.

 

Besonders häufig betroffen sind die Rassen:

  • Zwergschnauzer
  • Lhasa Apso
  • Yorkshire Terrier
  • Bichon Frisée
  • Shi Tzu
  • Cairn Terrier
  • Spitz
  • Malteser
  • Zwergpudel

 

Leider können Kalziumoxalatsteine nicht durch Medikamente aufgelöst werden.

Mit Glück sind die Steine noch klein genug um aus der Blase gespült zu werden, andernfalls müssen sie operativ entfernt werden.

 

Ein passendes Futter kann und sollte trotzdem zur Verhinderung von Rückfällen eingesetzt werden.

 

Der Harn-pH sollte hier möglichst bei 7,0 – 7,3 liegen.

 

Bei der Fütterung solltest Du auf oxalsäurereiche Lebensmittel wie Spinat, Mangold, Rote Beete und Weizenkleie verzichten. Getreidehaltige Produkte sollten reduziert werden.

 

Dasselbe trifft übrigens auch auf Lebensmittel zu, welche reich an der Aminosäure Glycin sind. Wird diese nämlich vom Körper verstoffwechselt, entsteht als Abbauprodukt ebenfalls Oxalsäure. Glycinreich sind vor allem bindegewebige Fleischteile, zu denen z.B. auch Pansen gehört. Dieser sollte vom Futterplan gestrichen werden - das gilt sowohl für die frische, gekochte, als auch getrocknete Version. Auch stark durchwachsenes Fleisch mit einem hohen Anteil an Bindgewebe eignet sich nicht für die Fütterung bei diesem Harnsteintyp. Achte hier lieber auf "Klasse statt Masse" und füttere Muskelfleisch in angemessener Menge anstelle von knubbeligen Fleischbergen.

 

Auch die Versorgung mit Calcium und Vitamin D sollte nicht übertrieben werden und sich besser am Nährstoffbedarf Deines Hundes orientieren.

Bitte vermeide auch die übermäßige Gabe von Salz (-> Natrium) und Vitamin C (Hagebuttenpulver). Beide führen zu einer erhöhten Ausscheidung von Oxalsäure mit dem Urin, in welchem sich die Säure dann erst recht anreichen und zu einer erneuten Steinbildung führen kann.

 

Dagegen können ausreichend Magnesium und Vitamin B6 einer erhöhten Ausscheidung entgegenwirken.

 

Uratsteine

Dieser Steintyp kommt häufig bei Dalmatinern und Hunden mit einem Lebershunt vor.

Grund dafür ist eine Umwandlungsstörung von Harnsäure.

 

Ist Dein Hund von dieser Störung betroffen, trinkt zusätzlich wenig und frisst regelmäßig purinreiche Futtermittel, ist die Chance sehr groß, dass er Uratsteine ausbildet.

 

Neben dem Ausspülen kleinerer Steine und einer OP für größere, ist aber auch hier ein medikamentöses Auflösen der Steine möglich.

 

     Dafür sollte der Harn-pH auf 6,5 - 7,2 eingestellt werden, zusätzlich sollte Dein Hund auf eine purinarme Diät umgestellt werden.

 

     Für diese eignen sich vor allem Eier und Milchprodukte. Muskelfleisch hat einen mittleren Puringehalt und sollte daher in Maßen gefüttert werden. Sehr purinreich sind "zellkernreiche" Futtermittel wie Innereien (Herz, Leber, Milz, Nieren), Zunge, Hefeprodukte wie Bierhefe und unter den Fischen Sardinen und Sardellen. Auf diese solltest Du möglichst verzichten.

 

Cystinsteine

Cystinsteine kommen im Zusammenhang mit einer Stoffwechselerkrankung vor, bei der zu viel Cystin mit dem Urin ausgeschieden wird.

 

Häufig betroffen sind männliche Hund im Alter von 3 - 5 Jahren der Rassen:

  • Dackel
  • Neufundländer
  • Englische Bulldoggen
  • Bassets
  • Yorkshire Terrier
  • Chihuahua
  • Mastiffs
  • Australian Cattle Dogs

Eine Auflösung der Steine ist zwar nicht unmöglich, aber schwierig - der Harn-pH sollte hier am besten bei rund 7,5 liegen.

 

Das Futter darf wegen der Stoffwechselerkrankung nicht zu viel Eiweiß enthalten und cystinreiche Lebensmittel wie Eier solltest Du ganz vermeiden. So wird das Risiko einer Stein-Neuentstehung stark gesenkt.