Futter selbst zubereiten - kann das jeder?

 

Und ob!

 

Wichtig ist natürlich die ein oder andere Voraussetzung, aber selbst wenn Du absolut keine Ahnung von Hundeernährung hast, bist Du zu 100% in der Lage das Futter für Deinen Hund selbst zuzubereiten.

 

Sowohl das BARFen als auch immer mehr das Kochen von Futter für den Hund, sind mit Sicherheit die zwei beliebtesten Selbstzubereitungs-Varianten.

 

BARF

Von „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ über „Bones and Raw Food“ hat dieses Akronym viele Bedeutungen.

 

Am Ende geht es aber immer darum, seinem Hund ein (zusatzstofffreies) Beutetier nachzubasteln, über welches er dann (theoretisch) alle wichtigen Nährstoffe aufnehmen kann.

Man füttert vor allem rohes, durchwachsenes Muskelfleisch, rohe fleischige Knochen, Innereien wie Leber und Milz und als pflanzliche Komponenten vorwiegend Blattsalate, Gemüse und ein wenig Obst.

Ein gewisser Anteil an Kohlenhydraten und Milchprodukten ist optional aber im Großen und Ganzen „erlaubt“. Wieviel der Hund von welchen Futtermitteln bekommt, wird anhand eines Prozentschemas*1 festgelegt:

  • 2-4% des Körpergewichts ergeben die Gesamtfuttermenge
  • 20-30% der Gesamtfuttermenge machen Gemüse (75%) und Obst (25%) aus
  • 70-80% der Gesamtfuttermenge machen durchwachsenes Muskelfleisch (50%), Pansen und Blättermagen (20%), Innereien (15%) und rohe fleischige Knochen und Knorpel (15%) aus

Alltagstauglichkeit

Die typische BARF-Verteilung kann den ein oder anderen schnell an den Rand der Alltagstauglichkeit bringen.

 

Grad letztens habe ich einen BARF-Plan gesehen, in dem pro Woche z.B. jeweils 7,5g Milz und Niere gefüttert werden sollten. Die erste Frage die ich mir gestellt habe war „Wer wiegt denn das (länger als 4 Wochen) so genau ab?“ und „Was macht man dann mit der restlichen Niere / Milz /…?“.

Natürlich ist es möglich solche Zahlen zu runden oder in größeren Mengen und zeitlichen Abständen zu füttern. Weggelassen werden sollten diese Komponenten aber streng genommen nicht.

 

Wissen

Glaubt man Swanie Simon, reicht es zu wissen:

 

„Der Hund ist von seiner Natur her ein Karnivor, also ein Fleischfresser. Ein Fleischfresser sollte Fleisch fressen. Fleischfresser fressen in der Natur andere Tiere, denn Tiere bestehen aus Fleisch (und ein paar anderen Komponenten). Folglich ist das Fressen von Tieren, ihrem Fleisch (und anderen Komponenten) die einzig richtige und die einzig natürliche Nahrung für Karnivoren.“*2

 

Ob einem das als „Versicherung“ für die Gesundheit seines vierbeinigen Freundes ausreicht, darf selbstverständlich jeder selbst entscheiden. Ich empfehle jedoch dringend selbstberechnete BARF-Rationen wenigstens einmal überprüfen zu lassen bevor man mit der dauerhaften Fütterung beginnt.

 

Equipment

Als Equipment in der Küche benötigt man vor allem ein scharfes Messer, ein Schneidebrett und eine gute Küchenmaschine zum Zerkleinern des pflanzlichen Rationsanteils. Eine Küchenwaage hilft die benötigten wöchentlichen Mengen abzuwiegen. Möchte man sich für einen gewissen Zeitraum Portionen vorbereiten, empfiehlt sich der Besitz eines Gefrierdosen-Sortiments.

 

Fazit

Man kann mit relativ einfachen Mitteln mit dem BARFen beginnen.

Möchte man seinen Hund dauerhaft mit rohen Zutaten beglücken, sollte man allerdings auf Futterzusätze zurückgreifen. Vor allem Jod und Zink sind in vielen BARF-Rationen viel zu wenig enthalten, was dauerhaft zu Problemen führen kann. Traut man sich nicht, oder verträgt der Hund keine ganzen rohen Knochen, ist außerdem das Zufüttern eines Calciumlieferanten (z.B. in Form von Knochenmehl) Pflicht.

 

Durch den „vorgeschriebenen“ hohen Fleischanteil, ist BARFen nur eingeschränkt für ältere und kranke Hunde zu empfehlen.

 

Traut man sich allein nicht an das BARFen heran, kann ein bedarfsdeckender Futterplan erstellt werden. Die letztendliche Zubereitung ist kinderleicht.

 

Futter für den Hund kochen

 

Beim Kochen und in der Liebe ist alles erlaubt.

 

Starre Vorgaben oder bestimmte Konzepte gibt es hier nicht. Bei dieser Fütterungsart wird gefüttert, was der Hund verträgt und was ihm guttut. Vor allem der Fleischanteil ist beim Kochen in der Regel geringer als beim BARFen, es gibt mehr Gemüse und auch Kohlenhydrate z.B. in Form von Nudeln, Kartoffeln oder Reis.

 

Öle und Futterzusätze runden die Mahlzeit ab. Die Futtermengen orientieren sich vorwiegend am tatsächlichen Energie-, Protein- und Nährstoffbedarf des einzelnen Hundes.

 

Alltagstauglichkeit

Durch die hohe Flexibilität ist das Kochen an sich sehr alltagstauglich. Es ist sogar möglich, die Ernährung des Hundes in einem bestimmten Rahmen an den eigenen Speiseplan anzupassen.

 

Wissen

Durch die vorrangige Orientierung am tatsächlichen Energie- und Nährstoffbedarf des Hundes, ist hier natürlich etwas mehr Wissen nötig.

 

Die wichtigsten einzuhaltenden Größen sind der Energiebedarf und der Bedarf an Eiweiß, Calcium, den fettlöslichen Vitaminen (vor allem Vitamin A und D), Kupfer, Zink, Jod und die Versorgung mit essentiellen Fettsäuren.

 

Entsprechende Multivitamin-Mineralstoffzusätze machen es für gesunde, erwachsene Hunde relativ einfach sie lange Zeit ausgewogen und gesund zu ernähren. Aber vorsichtig! Nicht jeder "Alles-in-eins"-Mix hält auch was er verspricht!

 

Möchte man auf Nummer sicher gehen oder hat keine Ambitionen sich mit diesem speziellen Thema näher auseinander zu setzen, ist ein Futterplan ein gutes Investment in die langfristige Gesundheit seines vierbeinigen Familienmitglieds.

 

Equipment

Auch hier sollte das Equipment aus einem scharfen Messer, einem Schneidebrett und (anstelle der Küchenmaschine) natürlich aus mindestens einem Kochtopf bestehen. Alternativ eignet sich auch der Ofen für das Zubereiten von Fleisch oder Gemüse.

 

Eine Küchenwaage ist auch an dieser Stelle wieder ein nützlicher Küchenhelfer. Da auch gekochtes Futter vorportioniert und eingefroren werden kann, lohnt sich auch hier die Anschaffung eines Gefrierdosensets.

 

Fazit

Das Kochen ist, aufgrund des geringeren Fleischanteils, oft eine günstigere Variante zum BARFen. In puncto Gesundheit stehen Kochrationen BARF-Rationen in nichts nach – wenn fehlende Nährstoffe ergänzt werden. Darum kommt man auch beim Kochen nicht herum.

 

Die Akzeptanz, vor allem bei sehr wählerischen aber auch alten und kranken Hunden, ist in der Regel sehr gut. Durch die absolute Freiheit bei der Rationsgestaltung sind auch Diäten für kranke Hunde sehr gut umsetzbar.

 

Auch beim Kochen ist die Investition in einen bedarfsdeckenden Futterplan eine gute Rückversicherung für einen dauerhaft gesunden Hund.

Wer in der Lage ist für sich selbst zu kochen, schafft das garantiert auch für seinen Hund.

 

*1 Quelle „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ S. Simon, Broschüre S. 21

*2 Quelle „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ S. Simon, Broschüre S. 8