Fertigfutter oder Selbstgemachtes? Für was soll ich mich entscheiden?

 

Diese Frage lässt sich definitiv nicht "mal eben" beantworten.

 

Neben den geschmacklichen Vorlieben und der Verfassung Deines Hundes, sollten auch Faktoren wie:

  • die Zutaten und Inhaltsstoffe des jeweiligen Futters
  • die Zubereitungszeit
  • das Platzangebot für die Lagerung des Futters
  • der finanzielle Aspekt
  • und auch der Aufwand um das nötige "Know-How"

für eine endgültige Antwort nicht vernachlässigt werden.

 

Aber fangen wir von vorn an...

 

Der Gesundheitsstatus Deines Hundes

Ist Dein Hund gesund, hast Du den Luxus seine Fütterung frei wählen zu können. Wahrscheinlich würde er sowohl mit einem Fertigfutter, als auch mit einem selbstgemachten Futter gut zurechtkommen was die Verträglichkeit angeht.

 

Für Hunde mit Gesundheitsproblemen ist es genauso möglich sie mit einem speziell abgestimmten Fertigfutter vom Tierarzt zu füttern. Das funktioniert auch meist sehr gut – solang es sich nur um eine Grunderkrankung, oder mehrere Grunderkrankungen mit ähnlichen Diätanforderungen handelt.

 

Eine Allergie oder eine Unverträglichkeit allein, oder in Kombination mit anderen Erkrankungen, kann einen aber schneller zum alleinigen BARFen oder kochen verdonnern, als man gucken kann.

 

Zutaten und Inhaltsstoffe

Hier liegt für die meisten schon der größte Vorteil des Selbstzubereitens von Hundefutter.

 

Man hat die volle Kontrolle über alle Zutaten und Inhaltsstoffe des Futters.

 

Vor allem bei allergischen Hunden spielt das eine mächtig große Rolle. Keine „tierischen Nebenerzeugnisse“ von denen man letztendlich nicht weiß aus was sie bestehen, keine Zusatzstoffe, kein großer Schnickschnack (außer man möchte ihn). DAS ist der Stoff aus dem die Träume von BARFern und Hundeköchen gemacht sind!

 

Dagegen kann Fertigfutter natürlich schlecht ankommen. Vor allem sogenannte Alleinfutter haben es schwer. Eine 100%ige Bedarfsdeckung ist eben kaum über 400 oder 800g Futterbrei in einer einzigen Dose ohne Ergänzungen zu schaffen.

Auch beim Trockenfutter zwingt allein die Darreichungsform in sogenannten Futterkibbles den Hersteller zur Verwendung von Konservierungsstoffen. Andernfalls würde das Futter schneller verderben, als es gefüttert werden kann.

 

Zubereitungszeit

 

Ich plauder mal ein wenig aus dem Nähkästchen...

Ich bereite das Futter für meine eigenen Hunde schon mehr als 10 Jahre selbst zu.

Einen Großteil dieser Zeit habe ich geBARFt, mittlerweile wird gekocht.

Ich verbringe jeden Sonntag  zwischen 1 und 1,5 Stunden in der Küche und koche in dieser Zeit das Essen für Timmi für eine ganze Woche vor.

 

(Noch zu  Pinas Lebzeiten habe ich übrigens nicht mehr Zeit für zwei Hunde aufwenden müssen - nur zwei Töpfe mehr. )

 

Das vorgekochte Futter friere ich anschließend ein und muss nur am jeweiligen Vorabend daran denken, es zum auftauen über Nacht rauszustellen. So hat Timmi dann jeden Tag wunderbar leckeres, gesundes, selbstgekochtes Futter.

 

Früher wurde bei uns geBARFt. Während dieser Zeit habe ich pro Woche etwa 2-3 Stunden gebraucht um das Futter für zwei Hunde vorzubereiten. Dazu gehörte neben der Fleisch-, Innereien- und Knochenportionierung auch das Gemüsepürieren. Anschließend habe ich auch dort dann alles in Tagesportionen eingefroren.

 

Bei Fertigfuttern entfällt dieser zeitliche Aufwand natürlich komplett. Tüte oder Dose auf, rein in den Napf, schmecken lassen. Fertig.

 

Platz zur Lagerung

Frisch zubereitetes Futter muss man für eine längere Lagerung in der Regel kühlen bzw. tiefkühlen. Im Kühlschrank hält sich frisches Futter etwa 2-3 Tage, gefroren ist eine Lagerung über mehrere Monate möglich. Dafür benötigt man natürlich – je nach Portionsgröße – mehr oder weniger Platz im Kühlschrank oder Gefrierschrank.

 

Für insgesamt ~25kg Hund konnte ich damals in meiner kleinen Wohnung das Futter für eine ganze Woche im kleinen Eisfach (Fassungsvermögen ~70l) unterbringen. Da war dann allerdings auch kein Platz mehr für ein kleines Eis am Stiel oder eine Pizza.

 

Mit Trockenfuttertüten oder Dosen hat man es dann natürlich wieder entschieden leichter. Ein trockener Platz bei Zimmertemperatur findet sich auch in kleinen Wohnungen eigentlich immer.

 

Geld

Über Geld spricht man nicht und für den eigenen Hund ist vielen nichts zu teuer. Allerdings sind Futterkosten eine „regelmäßige Belastung“ bei welcher der ein oder andere eben auch etwas straffer kalkulieren muss. Was bringt einem das beste Futter für den Hund, wenn man es sich eigentlich überhaupt nicht leisten kann? Nichts!

Sprechen wir also jetzt doch mal über Geld...

Fertigfutter gibt es ab 1,00€ bis über 10,00€ pro kg. Der Preis spiegelt allerdings nicht immer auch die Qualität wider. Es ist meiner persönlichen Meinung nach z.B. nicht in Ordnung und auch nicht verhältnismäßig, einem Hundehalter für ein 200g Döschen Hundefutter (das nicht mal ein Alleinfutter ist) ganze 2,00€ abzunehmen!

 

Zu den 2,00€ müsste man dann nämlich theoretisch auch noch die benötigten Zusätze rechnen, die der Hund braucht, um seinen Nährstoffbedarf überhaupt decken zu können. Ob der Hund überhaupt etwas von den enthaltenen Chiasamen, Koriander und Lavendel dieses "Luxusfutters" hat, steht auf einem anderen Blatt.

 

Das krasse Gegenteil dazu sind die super-preiswerten Supermarkt-Futter. Ja, die sind bedarfsdeckend weil sie Alleinfutter sind, ja, damit (oder trotzdem?) können Hunde alt werden, ABER: für 1,00€ pro kg erfährt man dann eben auch nicht, was genau sich in diesem Futter befindet. Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide und pflanzliche Nebenerzeugnisse, ... - mehr oder genaueres ist in der Regel nicht deklariert.

 

Bereitet man das Futter für seinen Hund selbst zu, hat man mit den Zutaten die man verwendet letztendlich auch den Preis in der Hand. Aufgrund des höheren Anteils an tierischen Futterkomponenten kann BARFen teurer sein als für den eigenen Hund zu kochen.

 

Zu BARF-Zeiten habe ich für meine beiden Hunde etwa 120,00€ - 160,00€ im Monat für Fleisch, Gemüse, Öle und Zusätze ausgegeben.

 

Fairerweise muss man dazu sagen, dass ich meiner ernährungssensiblen Hündin damals aber nicht das (in der Regel) relativ günstige Rindfleisch füttern konnte. Sie hat zu dieser Zeit vor allem Kaninchen, Geflügel und Fisch bekommen.

 

Durch das Kochen und das Hinzufügen von Kohlenhydratträger wie Reis, Nudeln, Kartoffeln und Haferflocken, hat sich neben dem Anteil der tierischen Futterkomponenten auch der monatliche, finanzielle Aufwand für das Hundefutter drastisch reduziert.

So konnte ich die Kosten für beide Hunde auf 60,00 € - 80,00 € im Monat senken ohne auf gute Qualität verzichten zu müssen - und das obwohl Pina zu diesem Zeitpunkt nur noch sehr exotische Fleischsorten wie Zebra und Lama fressen konnte.

 

Fast vergessen: die Küchenausstattung!

Für das Pürieren von Gemüse wird beim BARFen z.B. eine gute (!) Küchenmaschine benötigt. Ob man sich ein besseres Messer zulegen sollte, bemerkt man spätestens beim Schneiden von Pansen oder bindegewebigeren Fleischteilen. Eine Küchenwaage wäre ebenfalls keine schlechte Idee und für das portionsweise einfrieren werden geeignete Dosen oder Schalen gebraucht. Natürlich sind das Kosten die man erstmal nur einmal hat, allein für die Küchenmaschine legt man aber im Regelfall schon einen höheren zweistelligen, oder dreistelligen Betrag hin.

Möchtest Du das Futter für Deinen Hund kochen, kommst Du mit Deinen vorhandenen Kochuntensilien (Kochtöpfe, Pfanne, Kochlöffel, Sieb, etc.) und einer Küchenwaage wahrscheinlich gut aus.

 

Know-How

Wie hoch ist der Energiebedarf des Hundes, welche Nährstoffe in welchem Verhältnis benötigt er, welche Lebens-/Futtermittel enthalten welche Nährstoffe, ... - das sind grundlegende Dinge über die man als Hundehalter Bescheid wissen muss, wenn man das Futter für seinen Hund selbst zusammenstellt, denn:

 

Es gibt einige Untersuchungen und empirische Beobachtungen aus denen hervorgeht, dass viele Hundehalter nicht zu 100% wissen was sie tun, wenn sie das Futter für ihre Hunde dauerhaft selbst zubereiten.

 

Bei einer Analyse (1) von 95 BARF-Rationen wiesen 60% dieser Rationen schwerwiegende Mängel in der Zusammensetzung auf. Bei 40% bestanden nur „weniger schwerwiegende Mängel“ (wie beispielsweise eine viel zu hohe Calciumzufuhr) oder sie waren mehr oder weniger bedarfsdeckend.

 

Eine weitere Untersuchung (2) kam zu ähnlichen Ergebnissen. 90% aller untersuchten BARF-Rationen enthielten weder ausreichend Kalium, noch einen ausreichenden Gehalt an Spurenelementen. Nur 27% der untersuchten Ration waren adäquat mit Calcium versetzt.

 

Und damit mir nicht unterstellt werden kann, dass ich nur auf den BARFern rumreite: auch in von mir durchgeführten Rationsüberprüfungen an Kochrationen fand sich bisher kaum eine ohne Mängel oder starke Überversorgung.

 

Nein, "viel" hilft nicht immer viel. "Viel" kann auch viel kaputt machen.

Insbesondere Jod, Vitamin A und Vitamin D werden entweder nicht ausreichend, oder viel zu viel zugesetzt.

Zink und Kupfer sind sehr oft gar nicht bis viel zu wenig enthalten. Von dem Fettsäuren-Durcheinander mal ganz zu schweigen.

 

Möchtest Du das Futter für Deinen Hund selbst zubereiten (und das für eine lange Zeit UND sicher), gibt es meiner Meinung nach nur zwei Optionen:

 

Option A: Du eignest Dir entsprechendes Wissen selbst an. (Buchempfehlung siehe Ende des Artikels!)

Option B: Du beauftragst jemanden der Dir bei der Erstellung eines geeigneten Futterplans hilft.

 

Alles andere sind nur halbe Sachen die Deinem Hund  auf Dauer schaden können.

Etwas tückisch: das Ausmaß von Fehlernährung und Nährstoffimbalancen siehst Du nicht sofort. Die ersten klinischen Symptome treten bei ausgewachsenen Hunden erstmals zwischen 1,5 und 2 Jahren nach der Umstellung auf selbstgemachtes Futter auf.

 

Aus diesem Grund: nichts riskieren – bitte gleich richtig machen!

 

Eine Bemerkung am Schluss...

Neben diesen ganzen Punkten, kommt es letztendlich natürlich auch auf den individuellen Lebensstil und Tagesablauf von Dir und Deinem Hund an.

 

Klar, auf einem monatelangen Marsch von Bielefeld bis Santiago de Compostela wird wohl niemand darauf bestehen seinen Hund zu barfen. Aber auch schon einige Hundekitas verweigern sich gegen "Extrawürste" bei der Fütterung.

 

Mach diese Entscheidung auf jeden Fall zu DEINER Entscheidung und lass Dich nicht zu sehr verunsichern.


Buchtipp:

Möchtest Du Dir ein fundiertes Grundwissen zum Thema "Selbstgemachtes Futter" aneignen und schnell in die Praxis umsetzen, empfehle ich Dir das Buch "Hunde barfen" von Dr. Julia Fritz.

Entgegen des Titels kannst Du die Angaben im Buch nicht nur nutzen wenn Du BARFen, sondern auch wenn Du für Deinen Hund kochen möchtest.

 


Quellenangaben zu den Verweisen dieses Artikels:

(1) Dillitzer N, Becker N, Kienzle E. Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs. Br J Nutr 2011; 106: 53-56

(2) Handl S, Zimmermann S, Iben C. Reasons for Dog Owners to Choose Raw Diets („BARF“) and Nutritional Adequacy of Raw Diet Recipes Fed to Dogs in Austria and Germany. Congress of the ESVCN: Proc 16th; Bydgoszcz, Polen 2012; 124.