Durchfall beim Hund

 

In der Praxis sind Durchfälle die „Nummer 1“ der Verdauungsstörungen.

Das ist auch kein Wunder, denn um sich möglichst schnell z.B. von verdorbener Nahrung und viralen oder bakteriellen Krankheitserregern wieder zu trennen, hat sich für den Körper ein ordentlicher Durchfall eben bestens bewährt.

Was raus muss, muss eben raus. Und das schnell!

 

Was ist Durchfall?

Unter Durchfall (auch Diarrhoe genannt) versteht man das Absetzen von mehr als 3 dünnflüssigen Stühlen pro Tag

Ein Hund muss also a) öfter als gewohnt Kot absetzen und b) den Kot in flüssiger Konsistenz absetzen damit man auch tatsächlich von einem „echten Durchfall“ sprechen kann. Ein einziger weicher Haufen zählt also noch nicht dazu (auch wenn das fälschlicherweise oft angenommen wird).

 

Wodurch wird Durchfall beim Hund ausgelöst?

Sehr häufig tritt Durchfall aus fütterungsbedingten Gründen oder aufgrund von Infektionskrankheiten oder organischen Erkrankungen auf. Auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.

 

Fütterungsbedingter Durchfall

Enthält ein Futter ungenügend aufgeschlossene Stärke (z.B. in Form von ungenügend gekochtem Reis, Nudeln, Kartoffeln), zu viel bindegewebiges, minderwertiges Fleisch oder auch einen zu hohen Anteil an fermentierbaren Fasern (wie z.B. Pektine aus Äpfeln), können Durchfälle entstehen. Auch giftige oder verdorbene Futtermittel, eine zu schnelle Futterumstellung oder letztendlich auch eine Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit können Auslöser sein. Ständige Futterwechsel werden ebenfalls nicht von jedem Hund problemlos vertragen.

Infektionsbedingter Durchfall

Viren sind für die berüchtigten Magen-Darm-Infekte verantwortlich die immer mal wieder „die Runde machen“. Daneben ist aber auch die Infektion mit Bakterien oder Einzellern wie den fiesen und sehr hartnäckigen Giardien möglich. Auch ein Befall mit Darmparasiten wie Rundwürmern (Haken-, Spul- und Peitschenwurm) und Bandwürmern (Gurkenkern- und Fuchsbandwurm) kommt als Verursacher infrage.

 

Organerkrankungen

Durch die ungenügende oder fehlende Produktion der Verdauungsenzyme in der Bauchspeicheldrüse kann es bei einer sogenannten exokrinen Pankreasinsuffizienz zu Durchfällen kommen. Chronischer Durchfall kann z.B. genauso ein Begleitsymptom einer zunehmenden Niereninsuffizienz sein.

 

Psychische Faktoren

Wie Menschen können auch Hunde unter dem sogenannten Reizdarmsyndrom leiden. Die genaue Entstehung dieser Erkrankung ist bis heute noch nicht geklärt, vermutet wird aber eine allgemeine Störung der Darmbewegung und neben nicht diagnostizierten Organerkrankungen auch ein gewisser psychogener Faktor wie z.B. Stress.

 

Wie kann Durchfall behandelt werden?

Durch die vielfältigen Gründe sollte Dir klargeworden sein: Durchfall ist keine eigenständige Erkrankung, sondern viel eher ein Symptom.

Von daher solltest Du bei auftretenden Durchfällen Deines Hundes möglichst schnell Ursachenforschung betreiben und als wichtigste Maßnahme den auslösenden Grund umgehend abstellen.

 

Ebenfalls wichtig: Du solltest den Durchfall möglichst nicht unterdrücken. Immerhin ist es zwar ein unangenehmer, unter Umständen auch schmerzhafter und kräftezehrender, aber eben auch sehr effektiver Reinigungsmechanismus des Körpers um sich schnellstmöglich von einem störenden Auslöser zu entledigen.

 

Deshalb ist die erste und wichtigste Maßnahme bei starken, akuten Durchfällen: kein Futter.

 

Und das für 24-48 Stunden.

Flüssigkeit sollte Dein  Hund nach Bedarf aber jederzeit aufnehmen können. Neben Wasser kannst Du Deinem Hund auch Tees oder Elektrolytlösungen zum Trinken anbieten. Als Tee eignen sich vor allem Kamillen-, Fenchel-Anis-Kümmel- und Pfefferminztee.


Nicht unumstritten ist auch die These, dass das Weiterfüttern während eines akuten Durchfalls unter Umständen zu Nahrungsmittelallergien führen kann.

Man geht davon aus, dass sich bei akuten Darmentzündungen die Zellverbindungen zwischen den Darmzellen lockern und sogenannte Polypeptide aus der Nahrung die sonst so dichte Darmschranke überwinden können. Auf der anderen Seite dieser Schranke kommen sie dann mit Immunzellen in Kontakt, was wiederum zu einer Antikörperbildung führen könnte. Theoretisch wäre so eine Futtermittelallergie geboren. 

 

Während eines Futterentzugs hat die Darmschleimhaut allerdings genügend Zeit um sich wieder zu regenerieren und die „löchrige Darmbarriere“ wieder gegen Polypeptide abzudichten.


Oft lässt sich der Durchfall durch den bloßen Futterentzug sehr schnell beenden, sodass Du mit der Schonkostfütterung relativ zügig beginnen kannst.

 

Möchtest oder kannst Du Deinem das Futter nicht komplett vorenthalten? Dann kann alternativ auch die Moro´sche Möhrensuppe bei einem Infekt als zuverlässiger Durchfallstopper eingesetzt werden.

 

Was macht die Möhrensupper zur "Wundersuppe"?

Oligogalakturonsäure

Möhren enthalten sogenannte Oligogalakturonsäuren. Diese verhindern, dass Krankheitserreger an den Darmwänden andocken können. Sie besetzen die von Bakterien und Viren angesteuerten Rezeptoren und geben ihnen keine Möglichkeit sich niederzulassen. Eine Infektion kann sich so gar nicht erst ausbreiten. Bereits bestehende Infektionen können eingedämmt und ausgeheilt werden.

Damit die Möhren die besonderen Kohlenhydrate freisetzen und die Suppe ihre Wirkung erst richtig entfalten kann, ist die lange Kochzeit entscheidend!

 

Pektin

Das enthaltene Pektin hilft gegen Durchfälle indem es aufquillt, Flüssigkeit aufnimmt und so den weichen Kot eindickt. Außerdem bildet es eine Art Gel welches sich schützend über die Oberfläche von Magen und Darm legt und die Schleimhaut schützt.

 

Beta-Carotin

Das Carotinoid Beta-Carotin stärkt das Immunsystem. Außerdem bekämpft es freie Radikale auf Zellebene und schützt so vor Schädigungen diverser Körpergewebe.

 

Rezept Möhrensuppe

Für die Zubereitung der Möhrensuppe benötigst Du:

  • 500 g Möhren
  • 1 Liter Wasser
  • einen knapp gestrichenen Teelöffel Salz

 

Zuerst die Möhren schälen dann in dünne Scheiben schneiden oder würfeln.

Anschließend die Möhren für 1 – 1,5 Stunden köcheln lassen

Am Ende alles pürieren und das Salz dazu gegeben. Dann etwas abkühlen lassen und schon ist Servierzeit.

 


Das Aufsuchen eines Tierarztes ist hingegen dringend geboten wenn:

  • sich der Durchfall nicht spätestens nach 3 Tagen wieder beruhigt hat
  • Dein Hund durch den Durchfall mehr Flüssigkeit verliert als er durch Trinken wieder aufnehmen kann
  • Dein Hund ein Welpe, Senior oder bereits durch eine Grunderkrankung vorgeschwächt ist
  • Dein Hund neben Durchfall noch weitere Krankheitssymptome zeigt, insbesondere Fieber
  • Dein Hund schlapp oder apathisch wirkt!

Bitte wende Dich im Zweifelsfall immer an Deinen Tierarzt oder den tierärztlichen Notdienst!

 


Schonkost

Ist Dein Hund wieder "dicht" und setzt keinen Durchfall mehr ab, kannst Du mit dem Füttern von Schonkost beginnen. Diese sollte leichtverdaulich und fettarm sein, aber trotzdem den Bedarf an Eiweiß und vor allem Energie decken damit der Hund schnell wieder zu Kräften kommt.

 

Dafür eignet sich z.b. eine Diät bestehend aus Hüttenkäse, Hähnchen- oder Putenfleisch und als Energielieferant gekochte Kartoffeln oder Reis:

Körpergewicht Hund Hüttenkäse (g) Hähnchen- / Putenfleisch (g) (Rohgewicht) Kartoffeln / Reis (g) (Kochgewicht)
 5 kg 60 100 120
10 kg 100 150 260
15 kg 125 200 360
20 kg 125 250

500

Rezeptbeispiele übernommen aus: "Tierärztliche Ernährungsberatung", N. Dillitzer

Da diese Schonkostrezepte den Nährstoffbedarf des Hundes nur zum Teil decken, ist eine längerfristige Fütterung nicht empfehlenswert. Sollte eine Fütterung über einen längeren Zeitraum nötig sein, sollten dringend Vitamine und Mineralien ergänzt werden.

 

Hat sich der Zustand des Hundes aber stabilisiert, kann relativ zügig auch wieder zur gewohnten Fütterung zurückgekehrt werden.

 

Wie kannst Du zukünftigen Durchfällen Deines Hundes vorbeugen?

1. Füttere nur Futterbestandteile, die Dein Hund auch verträgt

Bist Du Dir nicht sicher welche das sind oder vermutest Du eine Futtermittelallergie, kann eine Ausschlussdiät euch Sicherheit geben. Bereitest Du das Futter für Deinen Hund selbst zu, achte auf die Qualität der verwendeten Futterbestandteile und deren hundgerechte Zubereitung.

 

2. Sorge für ein geeignetes "Ambiente" beim Füttern

Auf lauschiges Licht und Kerzenschein wird Dein Hund sicher keinen Wert legen, auf einen ruhigen Platz zum fressen hingegen schon. Sorge also dafür, dass Dein Hund seine Mahlzeiten ungestört und in Ruhe zu sich nehmen kann. Das verhindert Stress, was wiederum der Verdauung zu Gute kommt. Fütterst Du Nassfutter, rohe Zutaten oder gekochtes Futter, achte unbedingt darauf, dass das Futter mindestens Zimmertemperatur hat. Auch zu kaltes Futter kann Bauchweh und Durchfall verursachen.

 

3. Sorge immer für eine gute Hygiene

Reinige die Näpfe Deines Hundes regelmäßig und gründlich. Kochst Du für Deinen Hund oder BARFst ihn, wasche Dir vor und nach der Zubereitung des Futters gründlich die Hände. Reinige auch benutzte Kochuntensilien gründlich um Lebensmittelkeime im Zaum zu halten.

Räume die "großen Geschäfte" Deines Hundes immer weg und entsorge sie im Restmüll. Ziehen alle Hundehalter an einem Strang, kann so relativ einfach der Infektionsdruck für leicht übertragbare Infekte, aber auch Parasiten vermindert werden.

 

4. Halte Deinen Hund frei von Parasiten

Lasse regelmäßig Sammelkotproben Deines Hundes auf Parasiten untersuchen. Am günstigsten und schnellsten geht das in der Regel bei Deinem Tierarzt vor Ort. Sollte ein Parasitenbefall vorliegen, lasse ihn bitte entsprechend behandeln. Ist Dein Hund parasitenfrei, muss auch nichts unternommen werden.

 

5. Regelmäßige Gesundheitsvorsorge - vor allem für die Oldies

Ist Dein Hund schon in die Jahre gekommen, lohnen sich regelmäßige Untersuchungen beim Tierarzt um schleichende Veränderungen schnell zu erkennen. Es ist leider nicht zu ändern, dass im Alter z.B. die Organleistung von Leber und Niere langsam nachlassen und es auch aus diesem Grund zu Begleiterscheinungen wie Durchfällen oder Erbrechen kommen kann. Erkennt man diese Schwächen aber frühzeitig (z.B. bei einer Blutuntersuchung), kann man die Organe noch recht gut durch passendes Futter und Medikamente unterstützen. So kann der Verlauf dieser altersbedingten Veränderungen gestoppt und die Lebensqualität Deines Hundes noch eine ganze Weile erhalten bleiben.