Darmflora & Darmsanierung - Was ist das eigentlich?

Das Mikrobiom und die Darmflora sind nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Hunden seit einiger Zeit ein großes Thema. Blöderweise steckt die Forschung über die Zusammenhänge des Mikrobioms und dem Auftreten einiger Erkrankungen noch in den Kinderschuhen.

 

Spätestens seit dem Buch "Darm mit Charme" von Giulia Enders ist aber mittlerweile auch der breiten Masse bekannt, dass der Darm und dessen Mikrobiom neben der Verdauung von Nahrung noch eine Reihe weiterer Aufgaben erfüllt.

 

Welche das sind und wie man über die Regulierung der Darmflora den Verlauf von Erkrankungen günstig beeinflussen kann, zeige ich Dir in diesem Artikel.

 

Was ist ein Mikrobiom?

Das Mikrobiom umfasst die Gesamtheit aller Mikroorganismen in und auf dem Körper eines Lebewesens.

Dazu gehören Bakterien, Viren, Einzeller und Pilze. Das mag vielleicht erstmal schmutzig und eklig klingen, ist es aber gar nicht. Vorwiegend "kämpfen" die Mikroorganismen nämlich für uns an vorderster Front gegen Keime aus der Umwelt, indem sie einfach keinen Platz für sie machen und ihnen die dringend benötigte Nahrung einfach wegschnappen. Dazu aber später noch mehr.

 

Die Darmflora

Die Darmflora ist Teil des Mikrobioms und bezeichnet alle Mikroorganismen innerhalb des Darms.

 

Die Därme von Welpen sind zum Zeitpunkt der Geburt noch komplett unbesiedelt. Der "bakterielle Erstbezug" findet erst während des Geburtsvorgangs statt und wird weiter angetrieben durch die Pflege der Mutter und das Trinken der Muttermilch.

 

Würden Welpen keine Darmflora entwickeln, würden sie schon nach kurzer Zeit sterben. Die Darmflora stimuliert nämlich die Entwicklung der Darmschleimhaut mit all ihren Funktionen, wozu auch die Entwicklung des Immunsystems gehört.

 

Sie trainiert und unterstützt den Darm als größtes Immunorgan des Körper und hält es sozusagen immer "up-to-date" über die neuesten Krankheitserreger.

 

Gute Bakterien der Darmflora besetzen die durch Falten und Zotten vergrößerte Oberfläche des Darms und lassen so kaum Platz für krankmachende Keime.

 

Man kann sich das vorstellen wie im Kino: ist das Kino voll besetzt, kann eben niemand mehr den Film mitgucken. Stehplätze gibt es nicht.

 

Durch die Vollbesetzung bleibt auch nicht genügend Nahrung für krankmachende Keime übrig. Damit gibt es für sie auch keinen weiteren Grund länger im "vollbesetzten Kino" zu bleiben und sie verschwinden genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind.

 

Als Dank für die guten Plätze produzieren die freundlichen Keime außerdem wachstumshemmende und fremdbakterienfeindliche Substanzen. So werden Störenfriede dauerhaft und wirkungsvoll ferngehalten.

 

Die gesamte Mikroflora des Darms setzt sich auch 400-500 verschiedenen Bakterienarten zusammen. Die Zusammensetzung ist dabei immer abhängig von der jeweiligen Fütterung und Haltung Deines Hundes.

 

Milchsäurebakterien nehmen den meisten Platz in Anspruch und bilden die sogenannte Protektivflora. Ihre Hauptaufgabe ist der Schutz der Schleimhaut.

 

Die Gattung der Laktobazillen vergären Kohlenhydrate zu Milchsäure, versorgen die Darmzellen mit Nahrung und haben großen Einfluss auf die Gesamtflora des Darms. Bifidobakterien bilden ebenfalls Milchsäure, allerdings über kompliziertere Stoffwechselwege, die im Dickdarm stattfinden.

 

Neben den durchweg freundlichen Milchsäurebakterien kommen auch die sogenannten "fakultativ pathogenen Keime" im Darm von Hunden vor. Diese verhalten sich ruhig und freundlich, solang die Darmflora intakt und das Immunsystem gut in Schuss ist. Schwächelt der Organsimus können sie sich aber ausbreiten und zu Erkrankungen führen.

Andererseits können einige dieser Keime aber auch sehr gut eingesetzt werden, um gezielt das Immunsystem anzusprechen und um es zu stärken.

 

Zu den fakultativ pathogenen Keimen zählen unter anderem Enterkokken, Enterobakterien, Clostridien und Streptokokken.

 

Die Darmsanierung

Mit einer Darmsanierung können vor allem Erkrankungen behandelt und unterstützt werden, die in irgendeiner Form einen Bezug zur Schleimhaut haben. Dazu zählen natürlich in erster Linie Darmerkrankungen, aber bspw. auch Erkrankungen der Atemwege und des Urogenital-Systems. Auch Hauterkrankungen und -entzündungen, Allergien und Pilzerkrankungen können durch eine Darmsanierung begleitend gut therapiert werden.

 

Als alleinige Therapie oder begleitender Baustein eines umfassendes Therapiekonzeptes, kann eine Darmsanierung so einiges wieder geradebiegen, was aus dem Lot geraten ist.

 

Allerdings gibt es einen großen und bedeutenden Unterschied zwischen einer korrekt durchgeführten Darmsanierung und "irgendeinem Pulver", das man kauft und das die Darmflora unterstützen soll: den Therapieerfolg.

 

Bevor Du also beginnst in die Darmflora einzugreifen, solltest Du Dir bewusstmachen, dass es sich hier nicht um eine wahllose Ansammlung irgendwelcher Bakterien handelt!

Die Darmflora ist ein empfindliches Ökosystem, das leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.

 

Maßnahmen zur Wiederherstellung einer intakten Darmflora

Aktuelle Zusammensetzung der Darmflora überprüfen

Die Zusammensetzung der Darmflora ist relativ einfach durch eine Kotprobe zu überprüfen.

 

In einem Labor werden dafür sogenannte Bakterienkulturen angelegt, bei denen etwas Kot dünn auf einem Nährmedium ausgestrichen wird. Nach einer festgelegten Zeit im Brutschrank kann man dann anhand des Wachstums beurteilen, welche Keime in welcher Zahl im Darm zu finden sind.

Zum Einsatz können außerdem (je nach Ziel der Untersuchung) sogenannte ELISA-Tests und andere molekularbiologische Verfahren kommen, die Bakteriengifte, Viren oder Parasiten zügig und zuverlässig anzeigen.

 

Probiotika

Unter einem Probiotikum versteht man abgetötete oder lebende Mikroorganismen. Sie können als Pulver, Tablette, pulvergefüllte Kapsel oder Gel mit dem Futter verabreicht werden.

 

Je nach Qualität findet man diese einzeln oder in Kombination mit Präbiotika in Apotheken oder dem Tierbedarfsgeschäft. Je nach Keim, werden sie zur Stabilisierung oder kompletten Wiederaufforstung der Darmflora oder zur Anregung des im Darm sitzenden Immunsystems verwendet.

 

Stabilisierung des Darmmilieus

Für die Heimanwendung im Alleingang eignen sich vor allem Laktobazillen. Als Zusatzfuttermittel zugelassen bei Hunden und Katzen ist dafür die Art "Lactobacillus acidophilus".

 

Bei leichten Verdauungsbeschwerden (z.B. Durchfall bei Futterumstellung) und während oder nach Antibiotikatherapien können diese Keime das Darmmilieu stabilisieren und schützen. Sie siedeln sich nicht dauerhaft im Darm an, vermehren sich aber und verweilen über einige Wochen - so können sie krankheitserregende Fremdkeime zum Teil verdrängen / töten.

 

Möchtest Du Deinen Hund mit diesen Bakterien unterstützen, solltest Du auf einen ausreichenden Gehalt an koloniebildenden Einheiten (KBE, engl. auch CFU) achten.

Diese sollte bei mindestens 10 hoch 8 Einheiten pro Dosis liegen!

 

Immunmodulation

Ebenfalls freiverkäuflich und für Hunde und Katzen zugelassen, ist der zur Gattung Enterkokken gehörende Keim "Enterococcus faecium".

 

Er wird von speziellen Zellen im Darm aufgenommen, wodurch Fresszellen aktiviert werden, die wiederum den Befehl "Produktion von Antikörpern - sofort!" aussprechen.

Diese Antikörper werden dann durch die Schleimhaut an die Oberfläche transportiert und fest installiert.

 

Ein weiterer Vorteil ist außerdem, dass die Rezeptoren des Darms durch das Probiotikum blockiert und auf diese Weise krankeitserregende Keime ausgeschlossen werden.

Vor allem chronsichen und chronisch immer wiederkehrenden Infektionen im gesamten Verdauungstrakt kann so die Stirn geboten werden.

 

Auch wenn diese Keime freiverkäuflich sind: eine Anwendung im Alleingang empfehle ich nicht.

Immunmodulationen sollten immer in die Hände eines erfahrenen Tierheilpraktikers oder Tierarztes gehören.

 

Freiverkäuflich sind auch noch viele weitere Varianten probiotischer Keime in lebender und abgetöter Form. Da diese aber nicht für die Anwendung bei Hunden zugelassen sind, erwähne ich sie an dieser Stelle nicht.

 



Präbiotika

Bei den sogenannten Präbiotika handelt es sich um "Bakterienfutter".

Sie beeinflussen die Mikroflora im Darm mittels kurzkettigen Kohlenhydraten, die nicht entzymatisch verdaut werden können.

Zu diesen kurzkettigen Kohlenhydraten gehören unter anderem:

  • Inulin
  • Pektin
  • Fructooligosaccharide (FOS)
  • Mannanoligosaccharide (MOS)
  • Galactose
  • Lactose

Präbiotika können hervorragend in der täglichen Ernährung eingesetzt werden. Sie tragen dauerhaft und nachhaltig zu einer gesunden Darmflora und somit zu einem gesunden Immunsystem bei.

Aber Vorsicht: ein zu hoher Anteil kann zu Durchfall führen!

 

Außerdem können sich nicht nur die guten Darmbakterien von diesen Fasern ernähren, sondern auch die schlechten. Aus diesem Grund sollten auch extra Nahrungszusätze mit einem hohen Anteil Präbiotika nicht "einfach mal so" gegeben werden.

 


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