Brauchen Welpen wirklich Welpenfutter?

 

Welpen sind süß, putzig, lustig und es ist einfach schön mit ihnen gemeinsam die Welt zu entdecken.

 

Und auch wenn unser Bauchgefühl oft schon ganz genau weiß, was gut für unser kleines, neues Familienmitglied ist, werden wir immer wieder verunsichert von den Meinungen und Ratschlägen anderer.

 

„Geschirre sind doof – Hunde müssen am Halsband geführt werden!“

„Hunde sollten nie und nimmer im Bett schlafen dürfen – das macht sie dominant“

„Welpenfutter ist totaler Blödsinn – viel besser ist normales Futter für erwachsene Hunde!“

 

Wie Du Dich nun in Bezug auf die Bett- und Halsband-/Geschirrfrage entscheidest, ist  selbstverständlich Deine Sache und alles hat seine Vor- und Nachteile.

 

In Bezug auf Welpenfutter möchte ich aber doch einige Fakten vom Stapel lassen. Insbesondere wenn es um das Vorbeugen von (erst später auftretenden) Erkrankungen geht, spielt ein gutes Futter nämlich eine große Rolle.

Legen wir los:

 

Unterschied Welpenfutter zu Adultfutter

Oft wird behauptet, Welpenfutter hätten die genau gleiche Zusammensetzung wie Erwachsenen-Futter und deren Verkauf ist nur „Geldmacherei“.

Als krasses Gegenteil existiert auch die Annahme, dass Welpenfutter viel zu viel Energie, Protein und andere Nährstoffe enthalten und man seinen Hund damit eher „krank füttern“ würde.

 

Tatsache ist: ja, Welpenfutter enthalten in der Regel mehr Energie und auch mehr Nährstoffe als Futter für erwachsene Hunde.

 

Macht ja auch Sinn, wenn man bedenkt, dass Welpen wachsen und im Zuge dessen Körpermasse aufbauen müssen. Nicht nur Knochen müssen länger werden, auch Muskelgewebe muss sich z.B. aufbauen. Da kommt man um mehr Energie, mehr Eiweiß und mehr Nährstoffe wie Calcium, Zink und Kupfer nicht herum.

Und natürlich liegt es letztendlich in Deiner Verantwortung, Deinen Welpen nicht mit Welpenfutter zu mästen.

Damit das möglichst nicht passiert, drucken Fertigfutterhersteller in der Regel genau deshalb sehr genaue Fütterungsanweisungen auf ihre Verpackungen. Hält man diese ein, sollte es weder zu einer Überversorgung mit Energie, noch mit Nährstoffen kommen.

 

Damit wir aber nicht nur schwammig von „mehr Energie und Nährstoffe“ reden, lass uns im nächsten Abschnitt etwas konkreter werden und ein paar Zahlen miteinander vergleichen:

 

Energie- & Nährstoffbedarf - Welpe vs. erwachsener Hund

Eben weil Welpen aufgrund des Wachstums noch einiges mehr leisten müssen, haben sie einen viel höheren Energie- und Nährstoffbedarf, der sich mit den Wachstumsphasen auch stetig ändert.

 

Die Hauptwachstumsphase findet, unabhängig von Rasse und Endgewicht, in der Regel zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat statt.

Wiegt ein kleiner 8 Wochen alter Labrador Rüde noch um die 7kg, hat er nur 4 Monate später sein Gewicht mehr als verdreifacht!

 

Bleiben wir direkt bei dem kleinen Labrador. Mit 8 Wochen und 7kg muss dieser kleine Hund bereits täglich rund 1.300kcal zu sich nehmen um moderat wachsen zu können. Zum Vergleich: ein erwachsener Hund mit 7kg hat einen Energiebedarf von grad mal ~400kcal.

 

Ähnliches Spiel bei den Nährstoffen:

Während ein ausgewachsener Hund mit 7kg täglich nur etwa 560mg Calcium benötigt, liegt der Bedarf unseres Labradorwelpen bei 3.980mg – ja, am Tag und nein, das ist kein Tippfehler. 

 

Was würde passieren, wenn der junge Hund dauerhaft mit einem Futter für erwachsene Hunde gefüttert werden würde? Richtig, es würde sehr wahrscheinlich zu Mangelerscheinungen kommen.

 

Durch die zu geringe Energieaufnahme, wird das Wachstum stagnieren bzw. stark verlangsamt.

 

Eine zu geringe Aufnahme von Calcium lässt bereits Welpen lahm werden, die Knochen demineralisieren und indessen Folge kommt es zu Knochenbrüchen.

 

Auch ausreichend Vitamin D ist wichtig zur Entwicklung eines starken Bewegungsapparates. Steht es nicht, oder nicht ausreichend zur Verfügung, kann das aufgenommene Calcium nicht in den Knochen eingebaut werden – die Folgen sind dann dieselben wie bei einem Calciummangel.

 

In der folgenden Tabelle findest Du die wichtigsten, wachstumsrelevanten Nährstoffe zusammengefasst und im direkten Vergleich mit dem Nährstoffbedarf zweier erwachsener Hunde:

 

Nährstoff

Bedarf Welpe 7 kg

(Endgewicht ~35 kg) pro Tag

Bedarf erwachsener

Hund 7 kg pro Tag

Bedarf erwachsener

Hund 35 kg pro Tag

Energie 1.325 kcal 408 kcal 1.367 kcal
Rohprotein 74,6 g  14,1 g 47,2 g
Calcium ~ 3.980 mg ~ 560 mg ~1.870 mg
Phosphor 3.310 mg 430 mg 1.439 mg
Kupfer 3,6 mg 0,9 mg 2,9 mg
Zink 33,1 mg 8,6 mg 28,8 mg
Jod 290 µg ~ 130 µg ~ 425 µg
Vitamin A 1.674 IE 720 IE 2.403 IE
Vitamin D 180 IE 80 IE 259 IE

Quelle Bedarfswerte: NRC 2006

Ich hoffe, dass Dich diese Vergleiche nun davon überzeugt haben, dass die Behauptung, dass Welpen gar kein Welpenfutter brauchen würden, nicht mal ansatzweise haltbar ist.

 

Viel hilft nicht viel

Auch wenn Du jetzt weißt, dass Welpenfutter durchaus sinnvoll sind und ihre Daseinsberechtigung haben: im wahren Leben kommt es trotzdem schnell mal zu einer Überversorgung mit Nährstoffen.

Wie? Na ja, z.B. wenn Du es besonders gut meinst und zum Welpenalleinfutter noch ein extra Mineralpulver oder irgendwelche andere Nahrungsergänzungen fütterst. Im Handel sind auch viele Hundeleckerchen erhältlich, die zusätzlich mit Nährstoffen angereichert sind.

 

Verzichte am besten komplett auf solche Extras und prüfe vor dem Kauf von Leckerchen, ob diese einen besonders hohen Gehalt an Mineral- oder anderen Stoffen aufweisen.

 

Zu viele wasserlösliche Vitamine werden zwar ganz einfach wieder mit dem Pipi ausgeschieden, insbesondere fettlösliche Vitamine werden aber auch teilweise im Körper „gespeichert“ und können dadurch zu Problemen führen. Ein zu hohe Aufnahme von z.B. Calcium verhindert die ausreichende Aufnahme von Magnesium und Zink, zu viel Kupfer führt zu einer höheren Ausscheidung von Zink über die Nieren während zu viel Zink wiederum die Aufnahme von Calcium empfindlich stört.

 

Du merkst: von den komplexen Nährstoffinteraktionen untereinander kann einem schwindelig werden, trotzdem ist es wichtig auch diese zu beachten, da aus der ganzen Sache sonst einfach kein vernünftiger Schuh wird.

 

Nun wird es aber praktisch, jetzt geht es ans Eingemachte:

 

Wie Du selbst prüfen kannst, ob ein Fertigfutter für Deinen Welpen geeignet ist

Tipp 1

Grundsätzlich solltest Du als erstes nach einem Futter Ausschau halten, das klipp und klar als „Alleinfutter“ für Welpen ausgewiesen ist.

 

Alleinfutter enthalten in der Regel nämlich Energie und Nährstoffe in geeigneter Menge um den Hund damit rund um voll zu versorgen. Es ist also kein Zusatz Deinerseits von Mineralstoffen, Vitaminen und weiß der Kuckuck was noch, mehr nötig, da die entsprechenden Zusätze bereits in dem Futter enthalten sind. Wirbt das Futter hingegen damit ohne Zusatzstoffe auszukommen, ist das entweder gelogen oder es handelt sich nicht um ein Alleinfutter.

 

Es gibt kein einziges Fertigfutter auf dem Markt, weder für Welpen, noch für erwachsene Hunde, weder trocken noch feucht, dass alle Nährstoffbedürfnisse restlos auf einmal, ohne auch nur einen einzigen Zusatzstoff, erfüllt. Wirklich nicht.

 

Tipp 2

Die Zutatenliste des ausgewählten Futters sollte überschaubar sein.

 

Aktuell sind z.B. viele verschiedene Kräuter in Fertigfuttern „hip“. Die Dosierung und damit auch der Nutzen sind allerdings oft mehr als fraglich.

 

Außerdem solltest Du bedenken, dass das Immunsystem Deines kleinen Welpen noch ein „Azubi“ ist. Es ist ungünstig ihm in diesem Zustand zu viele verschiedene Inhaltsstoffe auf einmal zu präsentieren. Es kann damit noch nicht so gut und routiniert umgehen wie das Immunsystem eines erwachsenen Hundes, welches bereits lernen konnte was normale Nahrung / Nährstoffe und damit willkommen ist.

Im dümmsten Fall verwechselt das (noch nicht ausgelernte) Immunsystems Deines Welpen Nährstoffe mit tatsächlich schädlichen Stoffen und entwickelt eine entsprechende Immunantwort – so wird dann eine Allergie geboren.

Daher in Sachen abwechslungsreiches Futter bei Welpen, auch wenn Du BARFst oder kochst, lieber ein bisschen vom Gas gehen.

Spare Dir auch super exotische Eiweißquellen wie Känguruh, Büffel, Strauß und Co. für eine eventuelle spätere Ausschlussdiät auf.

 

Tipp 3

Vergleiche mit Hilfe der folgenden Tabellen die Nährstoffgehalte des von Dir gewählten Futters.

So gehst Du sicher, dass das von Dir ausgesucht Futter tatsächlich den möglichst passenden Gehalt an Nährstoffen aufweist:

 

Nährstoff Trockenfutter (~ 382kcal / 100g) Nassfutter (~119 kcal / 100g)
 Rohprotein 20 - 23 % 6 - 7 %
Calcium 0,8 - 1,2 % 0,3 - 0,4 %
Phosphor 0,6 - 1 % 0,2 - 0,3 %
Zink 90 - 100 mg / kg 30 mg / kg
Jod 1.600 - 2.400 µg / kg
300 - 700 µg / kg
Vitamin A 8.000- 12.000 IE / kg 1.600 - 3.000 IE / kg
Vitamin D 700 - 900 IE / kg 130 - 250 IE / kg
Vitamin E 70 - 100 mg / kg 10 - 30 mg / kg

Die höheren Empfehlungen gelten dabei jeweils für Hunde großwüchsigerer Rassen. / Quelle: "Ernährung des Hundes", 8. Auflage - Meyer / Zentek

Kann man Welpenfutter auch selbst machen?

Kennst Du den Nährstoffbedarf Deines Welpen genau und kannst diesen sicher durch einzelne Futtermittel und gezielte Zusätze decken? Attacke! Los geht’s!

 

Ist das nicht der Fall, würde ich Dir (im Sinne Deines Hundes!) dringend von wilden, aber sicher gut gemeinten, Futter-Experimenten abraten. Man kann wachsende Hunde sowohl BARFen als auch bekochen, die Futterzusammenstellung sollte aber bei beiden Varianten auf die jeweilige Lebensphase und das jeweilige Gewicht abgestimmt sein und auch regelmäßig überprüft und angepasst werden.