Sinn oder Unsinn? Das BARF-Profil

 

Kurz nachdem gefühlt jeder dritte Hundehalter begann seinen Hund zu BARFen, trat auch das BARF-Profil zum ersten Mal auf die Bildfläche.

 

Dabei handelt es sich um eine Blutuntersuchung, die anhand verschiedener Werte ursprünglich Aufschluss über eine ausreichende Nährstoffzufuhr mit dem Futter geben sollte.

 

Die Untersuchung umfasst ein kleines Blutbild, sowie den Gehalt an Albumin, Calcium, Phosphat, Kupfer, Zink, Jod, Vitamin A, Vitamin D und dem Schilddrüsenhormon T4 (Thyroxin) im Blut des Hundepatienten.

 

Wie herrlich einfach es wäre die Fütterung des Hundes so schnell und so zuverlässig überprüfen zu können – ist es aber leider nicht.

 

Grund Nr. 1: Momentaufnahme

Das Blutbild ist auch im Falle eines BARF-Profils leider nur eine Momentaufnahme und lässt keinerlei Aussage über die mittel-oder langfristige Nährstoffversorgung zu.

 

Dazu kommt: einige Werte unterliegen auch tageszeitlichen und fütterungsabhängigen Schwankungen. Der Zinkgehalt im Blut steigt beispielsweise eine Stunde nach der Fütterung an und sinkt dann allmählich wieder.

Ein aussagekräftiges Ergebnis wird da durchaus schwierig.

 

Grund Nr. 2: Homöostase

Homö - was? Nein, das hat nichts Homöopathie zu tun!

 

Die Homöostase beschreibt einen Zustand des dynamischen Gleichgewichts des sogenannten inneren Milieus des Körpers, welches durch verschiedene Regelkreise des Körpers aufrechterhalten wird.

 

Ein Beispiel:

 

Nur 1% des Calciums, welches der Körper enthält, ist in Blut und Lymphe unterwegs. Die restlichen 99% befinden sich gebunden in Knochen und Zähnen.

Sinkt der Calciumspiegel des Blutes (z.B. weil nicht genügend Calcium im Futter enthalten ist), schüttet der Körper das Parathormon aus. Dieses führt dazu, dass Calcium aus den Knochen in das Blut freigesetzt wird.

Der Blut-Calciumspiegel normalisiert sich so wieder und wenn man sich den dazugehörigen Blutwert dann anschaut, könnte man meinen „alles tip top in Ordnung“.

 

Auf Dauer ist es allerdings absolut nicht Ordnung dem Knochen so sein Calcium „wegzunehmen“. Calcium sorgt in den Knochen nämlich für ausreichend Stabilität. Kommt es zu einer Demineralisierung, können z.B. Knochenbrüche die Folge sein. Noch fataler wird das Ganze, wenn sich der Hund auch noch im Wachstum befindet.

 

Auch an dieser Stelle sind aussagekräftige Ergebnisse also fraglich.

 

Grund Nr. 3: Nährstoffwechselbeziehungen

Wusstest Du das z.B. ein überhöhter Eisengehalt im Futter zu einer schlechteren Aufnahme von Mangan und Phosphor führen kann? Eine Überversorgung mit Magnesium hat ähnliche Auswirkungen auf die Aufnahme von Calcium und Phosphor.

 

Auf der anderen Seite bringt es einem Hund herzlich wenig mit exakt der benötigten Calciummenge versorgt zu werden, wenn nicht ausreichend Vitamin D für die Aufnahme im Darm zur Verfügung steht.

 

Selbst wenn das BARF-Profil also einen Mangel anzeigen würde, wüsste man am Ende trotzdem nicht den Grund dafür.

 

Grund Nr. 4: Speicherorgane

Leider fallen beim BARF-Profil auch Speicherorgane komplett unter den Tisch.

Kupfer wird, je nach Versorgungslage, in der Leber gespeichert. Der Kupfergehalt im Blut kann also, selbst wenn er im Referenzbereich liegt, eine Unterversorgung gekonnt vertuschen. Eine Leberbiopsie wäre zwar aussagekräftiger, ist in der Praxis aber nicht üblich.

 

Dasselbe Spiel bei Zink: der größte Zinkspeicher sind die Knochen. Nur der Zinkgehalt des Knochens besitzt eine tatsächliche Aussagekraft über eine ausreichende Zinkversorgung. Und nein, eine Knochenbiopsie ist in diesem Zusammenhang in der Praxis ebenfalls nicht üblich. 

 

Und was jetzt?

Kann die Fütterung denn überhaupt sicher überprüft werden?

 

Ja, kann sie. Mit einer Rationsüberprüfung!

 

Durch das zur Verfügungstellen Deines Futterplans kann nicht nur die momentane, sondern auch die langfristige Nährstoffversorgung überprüft werden.

 

Auch eventuelle Unstimmigkeiten in Bezug auf die Nährstoffwechselbeziehungen werden sichtbar und können ggf. korrigiert werden.

 

Ein weiterer großer Pluspunkt sind außerdem die meist geringeren Kosten. Während ein BARF-Profil Kosten zwischen ~ 150,00 und 200,00 € verursacht, sind Rationsüberprüfungen in der Regel viel günstiger.

 

Auch das Labor IDEXX selbst verweist mittlerweile darauf, dass das BARF-Profil nur eine Momentaufnahme sein kann und die beste Aussagekraft erst in Kombination mit einer Rationsüberprüfung erreicht werden kann.