Ballaststoffe in der Hundeernährung

Ballaststoffe in der Hundeernährung sind häufig mit erschreckend negativen Vorurteilen belastet.

„Absolut überflüssig“, „Billiger Füllstoff“ und „gesundheitsschädlich“ sind nur 3 Behauptungen, die mir bei einer kurzen Recherche dazu über den Weg gelaufen sind.

 

Tatsächlich sind Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung und das damit einhergehende Wohlbefinden Deines Hundes aber essenziell wichtig!

 

Was sind Ballaststoffe?

Bei Ballaststoffen handelt es sich um schlecht bis unverdauliche Nahrungsbestandteile.

 

Jetzt wirst Du Dir vielleicht denken „Was? Schlecht verdaulich? Sowas kriegt mein Hund nicht!“, aber: tatsächlich sind diese Fasern sehr wichtig.

Sie ernähren nicht nur die gesunde Darmschleimhaut und helfen sie zu reparieren, sie regen den Darm auch zu seiner typischen, sog. peristaltischen Bewegung an und sorgen so dafür, dass der Nahrungsbrei im Darm ordnungsgemäß weitertransportiert wird.

 

Welche Nahrungsfasern gibt es?

Die umgangssprachlichen „Ballaststoffe“ unterscheiden sich in langsam fermentierbare Fasern und schnell fermentierbare Fasern.

 

Langsam fermentierbare Fasern

Langsam fermentierbare Fasern erfüllen vor allem den Zweck die Darmtätigkeit zu regulieren und die Kotbeschaffenheit zu verbessern.

 

Weizenkleie und Zellulose gehören zu dieser Art von Fasern.

 

Ihre Einsatzgebiete liegen vor allem bei der Behandlung und Vorbeugung von Durchfällen und Verstopfungen, aber auch Hunde mit Schwierigkeiten bei der Gewichtsabnahme können von der Gabe von Futterzelluose profitieren.

 

Futterzellulose kann ca. das 14-fache an Wasser binden und bringt so jeden akuten Durchfall zum Stillstand. Leidet Dein Hund an Verstopfung, hilft ihm Zellulose den Nahrungsbrei ordnungsgemäß weiter zu transportieren.

Gute Erfahrungen habe ich mit der Futterzellulose auch bei Hunden mit wiederkehrenden Analdrüsenproblemen machen können.

 

Normalerweise sollte Dein Hund bei jedem Kotabsatz auch Analdrüsensekret mit ausscheiden – so entleeren sich die Analdrüsen regelmäßig von selbst und bleiben beschwerdefrei. Insbesondere bei einer zu geringen Kotmenge oder zu weichem Kot, kann das Sekret aber nicht von selbst ausgeschieden werden, dickt ein und muss manuell entleert werden.

Im schlimmsten Fall bildet sich so eine Entzündung und ein schmerzhafter Analdrüsenabszess.

 

Durch die Zugabe von Zellulose zum Futter wird das Kotvolumen erhöht und der Kot erhält eine angemessene Festigkeit, wodurch sich die Analdrüsen wieder ordnungsgemäß und selbstständig entleeren können.

 

Insbesondere in größeren Mengen wirkt sich Zellulose aber nicht nur regulierend auf die Kotbeschaffenheit aus, sondern kann insbesondere die Verdaulichkeit von Kohlenhydraten im Futter herabsetzen.

Das hat insbesondere für übergewichtige Hunde den Vorteil, dass sie durch die Zugabe der Zellulose ein gutes Sättigungsgefühl erleben, ohne aber weiter zuzunehmen.

 

Schnell fermentierbare Fasern

Zu den schnell fermentierbaren Fasern gehören unter anderem  Guar, Pektin, Laktulose, Laktose und sog. Oligosaccharide.

 

Sie alle wirken vor allem präbiotisch, also als eine Art „Bakterienfutter“ im Darm Deines Hundes.

 

Dabei unterstützen sie die ständige reibungslose Funktion des größten Immunorgans, der Darmschleimhaut und helfen sogar dabei sie z.B. nach Infekten wiederaufzubauen.

 

Aber: die schnell fermentierbaren Fasern können noch mehr!

 

Sie helfen bei Leber- und Nierenerkrankungen den gesamten Darmbrei anzusäuern, wodurch „Abfallstoffe“ schneller und effizienter mit dem Kot ausgeschieden werden können.

 

Darüber hinaus beeinflussen sie die Darmflora so positiv, dass toxinbildende Mikroorganismen wie Clostridien keine Chance haben es sich groß gemütlich zu machen.

Aber Achtung: viel hilft bei diesen speziellen Fasern nicht auch viel und sie können in größeren Mengen zu Durchfällen führen. Insbesondere zu Beginn der Fütterung sollten sie daher immer langsam eingeschlichen werden.

 

In folgenden Lebensmittel kommen diese speziellen Fasern vor:

  • Guar (auch Guarkernmehl, aus den Samen der Guarbohne)
  • Inulin (enthalten in Topinambur, Pastinake, Chicoree, Artischocke)
  • Pektin (enthalten in Äpfeln, Rübenschnitzeln, Karotten)
  • Fructooligosaccharide (FOS) (dabei handelt es sich um einen Mehrfachzucker aus Fruchtzucker)
  • Mannanoligosaccharide (MOS) (kommt in den Zellwänden von Hefe vor)
  • Lactulose (ein Baustein des Milchzuckers)
  • Lactose (Milchzucker, dieser fördert vor allem die Milchsäurebildner im Darm)

Auch Flohsamenschalen zählen zu den schnell fermentierbaren Fasern. Als cooles Extra nehmen sie außerdem nicht nur positiven Einfluss auf die gute Bakterienflora, sondern bilden auch einen Schleim, der die Darmschleimhaut z.B. während oder nach einer akuten Entzündung zusätzlich pflegt und schützt.

 

Woran Du merkst, dass ein Futter für Deinen Hund zu wenig Ballaststoffe enthält:

Häufig machen sich Probleme am ehesten beim Kotabsatz, bzw. der Kotbeschaffenheit bemerkbar.

 

Während der eine Hund sich nur alle zwei Tage unter starker Anstrengung ein Minihäufchen abpresst, setzten andere Hunde sehr weichen Kot ab.

 

Ist das bei Deinem Hund der Fall, solltest Du dringend einen Blick auf die Versorgung mit Ballaststoffen werfen lassen.

 

Tatsächlich gibt es auch eine sogenannte „faser-responsive Kolitis“.

 

Hierbei handelt es sich um eine besondere Form der akut oder chronisch verlaufenden Darmentzündung, bei der häufig trotz aufwendigster Ausschluss- und Spezialdiäten keine Besserung der Beschwerden wie Durchfall und Bauchweh eintreten.

 

Eine Anpassung der Fütterung inkl. entsprechendem Fasergehalt kann hingegen zu einem kompletten Verschwinden der Beschwerden beitragen.

 


Wusstest Du...

Um den für Deinen Hund perfekten Ballaststoffgehalt im Futter zu ermitteln, enthält meine Fütterungsanamnese auch immer Fragen zu Kotbeschaffenheit, Absatzfrequenz und evtl. vorliegenden Analdrüsenproblemen.

 

So wird der Futterplan auch in puncto Ballaststoffe direkt zu Beginn auf die besonderen Bedürfnisse Deines Hundes abgestimmt.

 



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